Im Loiretal der Schlösser

Reisebericht von HeikoJT, Reisezeitraum Mai 2010 nicht bewertet report_rating
Verfasst zur Region: Frankreich  > Frankreich Landesinnere Dieser Reisebericht wurde 1829 Mal angeschaut
 
Im Loiretal der Schlösser



„Hier, Leonardo, bist Du frei zu träumen, zu denken, zu arbeiten“ sagte Franz I , sein glühender, um 42 Jahre jüngerer Verehrer, zu da Vinci, als er ihm das Schloss Clos Lucé in der Touraine als Alterssitz zur Verfügung stellte. Heute kann man in dem bezaubernden kleinen Ch^ateau und seinem Park an detailgetreu nachgebildeten Modellen und in die Bäume drapierten transluziden Leinwänden die Werke des Universalgenies bewundern, den Sigmund Freud so treffend mit den Worten charakterisierte: „ Er war früh erwacht, als alle anderen noch schliefen.“



Der bis zu seinem Tod im Jahre 1519 rastlos arbeitende Meister hat der Nachwelt sogar Kochrezepte hinterlassen. Und dass man zu seiner Zeit schon vorzüglich zu speisen wusste, erlebt man in der „Auberge le Prieuré“ von Clos Lucé. In der entzückenden ehemaligen Abtei hast sich der M^aitre Stephane Sausin ganz der feinen Küche der Renaissance verschrieben, die großzügig auch Gewürze aus dem Fernen Osten einsetzte, und das nicht nur in den Speisen; selbst in den Weinen schmeckt man neben Minze, Salbei, Nelken auch Muskat, Koriander, Cinnamon und Ingwer.



Von Clos Luc´hat man einen wunderschönen Blick auf das 400 Meter entfernte wehrhafte Schloss Amboise, das obwohl nur teilweise erhalten, mächtig über der Loire thront. Als königliche Residenz des 15. und 16. Jahrhunderts ist es eines der bedeutendsten Ch^ateaus des Flusstals, eines von etwa 100, die heute zugänglich sind. Während des Hundertjährigen Krieges (1337-1453), als die Engländer Paris besetzt hielten und Erbfolgekriege tobten, residierten die französischen Könige im Loiretal. Sie und der Adel erbauten hier - teils auf gotischen Überresten – ihre feudalen Herrensitze im Stil der Renaissance. So wurde die Region zum Symbol eines neuen Zeitalters.



Und heute ist sie eine der beliebtesten Touristenziele von Frankreich. Dabei wird das Radwandern immer beliebter, liegen die zu besichtigenden Herrensitze doch nur kleine Tagesetappen von einander entfernt. Wer größere Ambitionen hat, macht die ganzen 650 km der „La Loire à vélo“ (www.loire-radweg.org/)von Orléans bis zum Atlantik entlang des letzten ungezähmten großen Stroms Mitteleuropas. Der kulturell interessanteste Abschnitt mit einer Vielzahl traumhafter Schlösser führt durch historische Städte und Dörfer nach Tours. Diese pulsierende Stadt mit ihren Fachwerkhäusern und dem Studenten-Flair ist als Ausgangspunkt ebenfalls geeignet, vor allem wenn man von Paris mit dem TGV anreist. Nicht versäumen sollte man, sich in Tours die imposante Kathedrale Saint-Gatien anzusehen. An ihrer Fassade lässt sich die Baukunst von der Gotik bis zur Renaissance ablesen. Und nach dem Diner, zum Beispiel im exzellenten „Le Saint. Honoré“, trifft man die Bohème am Place Blumereau.



Die Radwege sind teilweise neu angelegt, führen aber mehrheitlich über wenig befahrene Landstraßen. Sie sind gut ausgeschildert. Merkliche Höhenunterschiede gibt es nur abseits des Flusses. Dafür entschädigen hier herrlicher Waldpassagen und beschaulicher Felder. Es geht gemütlich zu. Zweirädrigen Massenverkehr wie entlang der Donau gibt es – noch – nicht. 15 Fahrradverleiher haben sich zusammengeschlossen, was es ermöglicht, das Rad an einem Ort zu leihen und an einem anderen abzuliefern. Rund 100 Hotels, Herbergen und Gästezimmer mit dem Label „Accueil Vélo“ sind auf den Empfang der „Radler“ spezialisiert. Viele von ihnen bieten sogar den Gepäcktransport zum nächsten Etappenziel an. Wertvolle Informationen bietet das bikeline-tourenbuch von „Esterbauer“.





Von Tours führt uns der Weg über Amboise zum Schloss Chaumont-sur-Loire, das einst Katarina von Medici gehört hatte, die im Alter von 14 Jahren von ihrem Onkel Papst Klemens VII mit dem gleichaltrigen Heinrich II, Sohn von Franz I, verheiratet worden war. So waren die Sitten damals. Der Hof des Lustschlosses wie sein Landschaftspark mit riesigen Zedern bieten einen spektakulären Blick auf die Loire. Berühmt ist das seit 1992 – immer von Ende April bis Oktober - in der Domäne stattfindende Internationale Gartenfestival, das sich der Verbindung von Natur und Kunst widmet, 2010 unter dem Thema „Körper und Seele“. Künstler verschiedenster Prägung schufen Installationen, die - auf geniale und manchmal eigenwillige Weise - die therapeutische Wirkung der Natur auf den Menschen veranschaulichen. Sie warnen, dienen der Erbauung, regen die Phantasie an und machen nachdenklich. Wahrhaft ein Ort zum Innehalten!



Bei einer Tour auf dem größten Strom Frankreichs weiß der etwas skurrile Bootsmann Jean Ley aus Chaumont-sur-Loire so lebendig von der Natur und der Geschichte der Loire zu erzählen, dass die Zeit auf dem traditionellen Holzboot wie im Fluge vergeht.. Bestens kennt er sich auch aus mit den Bibern, die seit 1974 hier wieder heimisch wurden, und die die Ufer mittlerweile in Familienrevieren in großer Zahl besiedeln.



Weiter geht es nach Blois, einem auf mehreren Hügeln errichteten Stadt, die sich ins Gedächtnis einprägt: Die elegante Pont Gabriel, die Altstadt mit ihren engen Gassen und steilen Treppen , die Basilika Saint-Nicolas, die Kathedrale, das Haus der Magie, und alles beherrschend das Chateau, ein Monument der Historie und Kultur. Hier residierten die Majestäten, hier schlug das Herz Frankreich, hier weht der Geist der Geschichte durch die prunkvollen Säle.Völlig in den Bann zieht einen die abendliche Ton- und Lichtvorstellung im Schlosshof, dramatisch, überwältigend.



Einen interessanten Gegensatz zu dem königlichen Palais von Blois bietet die nahe Burg Fougères-sur-Biévre aus dem 15. Jahrhundert. Die mächtige quadratisch angelegte Wehranlage hat in ihrer kompakten Schlichtheit einen ganz eigenen Charme. Schön sind die Schieferdächer und der Dachstuhl aus Eichenholz, wie einem bei der Führung überhaupt die Bautechniken der damaligen Zeit anschaulich näher gebracht werden.



Wiederum verschwenderisch ausgestattet ist das in Privatbesitz befindliche Schloss von Cheverny in bestechendem klassizistischem Barock. Seit über sechs Jahrhunderten gehört die Domaine der gleichen Familie. Das Unternehmen mit Schlossverwaltung, Parkanlagen, Nutzholz-Pflanzungen, Jagdrevieren und einem 30 ha großen Golfplatz wird heute vom Marquis und der Marquise de Vibraye geleitet. Mit ihrer Durchlaucht kann man sogar auf die Jagd gehen, begleitet von einer großen Hundemeute. Ganz billig dürfte das nicht werden.



Anfang des 16. Jahrhunderts, als sich fünf Großmächte die Vorherrschaft in Europa streitig machten, begann Franz I mit dem Bau des gewaltigen , doch mit seinen vielen Türmen irgendwie leicht wirkenden Schlosses von Chambord. Es sollte seinen Anspruch auf die Krone des Heiligen Römischen Reiches symbolhaft zum Ausdruck bringen. Die Architektur sprengt alle Maßstäbe. Das Schloss ist 156 m lang, 56 m hoch, hat 77 Treppen, 282 Kamine und 426 Räume. Sein 5440 ha großes Gelände ist durch eine 32 km lange Mauer umschlossen.



Noch viele weitere sehenswerte Ch^ateaus gibt es an der Loire. Die hier kurz skizzierten sind durchwegs hervorragend restauriert. Man erhält vor Ort gutes Informationsmaterial in Deutsch, auch kindgerechtes.

Frankreich ist immer ein Genuss für Körper und Geist, besonders im Tal des großen Stroms.
 

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