Tour de France 2008 mit dem Womo ;-)

Reisebericht von sprachlos69, Reisezeitraum Mai 2008 nicht bewertet report_rating
Verfasst zur Region: Frankreich Dieser Reisebericht wurde 3566 Mal angeschaut
 
Donnerstag, 22.05.2008
 
Gestern haben wir ein komplett neues Wohnmobil in Empfang genommen. Tatsächlich wurde es auch erst gestern zugelassen und der Kilometerstand lautet 1 !!! Wir sind sprachlos und begeistert zugleich. Den Großteil unserer Sachen haben wir bereits gestern verstaut und so musste heute nur noch die Bettwäsche und ein paar Kleinigkeiten eingeräumt werden. Ein letzter Kaffee mit Mama und Papa und um 09:20 Uhr war Abfahrt mit 60 Kilometer auf dem Tacho. In Grünstadt ging es auf die Autobahn A6 in Richtung Paris :-)
 
Ein erster Kaffee bedingter Zwangsstopp war in Waldmohr nötig, aber dann ging es weiter bis über die Grenze in Saarbrücken. Dort wechselten wir auf die N3 - die mehr oder weniger parallel führende Bundesstrasse. Auf Autobahn haben wir in diesem Urlaub keine Lust. Gemütlich führt uns unser Weg durch St. Avold bis Metz. Ein Einkaufsstopp wird eingelegt und wir versorgen uns mit fester und flüssiger Nahrung. Den Weg zurück auf die N3 suchen wir vergeblich und wir sind uns nach ca. 1 Stunde einig: Irgendjemand hat die N3 geklaut. Wir beschließen daher die zufällig gerade vor uns liegende Pariser Autobahn zu missbrauchen und fahren bis zur Abfahrt 33 Jarny auf ihr. Welch Wunder ist jetzt die N3 wieder da ...
 
Über Etain erreichen wir Verdun und erkennen all das wieder, was wir 2003 bereits ausführlich gesehen haben. Unterwegs fällt uns auf, daß heute in Frankreich wohl „Mähstag“ ist: Überall begegnen wir Straßenarbeitern, die rechts und links der Fahrbahn mähen. Aber auch in den Dörfern wird fleißig dem Gras an den Halm gegangen. Ob es wohl Rasenmäher im Angebot gab? In Clermont-en-Argonne parken wir unser rollendes Schneckenhaus und testen unsere Sprachkenntnisse bei der Kaffeebestellung. Die Bestellung war perfekt und der Kaffee lecker :-) Auch die Rechnung haben wir perfekt bestellt, aber die Zahlen, die uns die Bedienung nennt verstehen wir nicht. „Do you speak english?“ „Non!“ Aha ... Mit Händen und Füßen werden wir uns dann dennoch handelseinig und wir ziehen weiter.
 
In Chalons-en-Champagne beschließen wir, daß es für heute genug ist. Laut Stellplatzplan soll es in Epernay mehrere Campingmöglichkeiten geben und damit ist der erste Schlafpunkt festgelegt. Angekommen sind wir um 17:30 Uhr und nun haben wir einen wirklich hübschen Platz. An drei Seiten ist unsere „Koje“ mit Hecken zugewachsen und nach vorne hin offen. Wir stehen in zweiter Reihe. Vorne ist ein kleiner Fluss, aber für eine Nacht reicht uns die zweite Reihe :-) Anfänger wie wir sind haben wir noch nicht mal gefragt, was der Platz kostet. Darüber werde ich dann morgen berichten. Unser Abendessen haben wir unter unserer Markise im Freien zu uns genommen. Es ist zwar schon den ganzen Tag stark bewölkt, aber trotzdem nicht zu kalt.
 
Komischerweise sind wir alle Beide ziemlich platt und müde. Wir werden heute wohl nicht alt werden. Aber das macht ja auch nichts. Dann sind wir morgen um so fitter und frischer ;-)
 
Kilometerstand: 475 km (minus 60 km für den gestrigen Weg von Mannheim zu uns nach Hause!)
 
Freitag, 23.05.2008
 
Nachtrag: Der Campingplatz in Epernay hat € 16,15 gekostet und das find ich okay. ( www.epernay.fr)
 
Nachdem wir gestern Abend recht früh in unsere Höhle gekrochen sind und auch ratzifatzi geschlummert haben waren wir heute morgen dementsprechend früh   wach. Den ersten Kaffee des Tages hat Andy gegen 07:30 Uhr auf der Küchenzeile verteilt und dann gemerkt, daß der Auslauf an der Kaffeemaschine nicht montiert war. Den zweite Kaffee habe ich dann tropffrei ans Bett gebracht bekommen ;-) Nach dem Besuch der Sanitären Einrichtungen und dem Begleichen der Rechnung machten wir uns auf. Erklärtes Ziel des Tages: Heute Abend sind wir am Meer – egal wie !!
 
Unterwegs stellen wir fest, daß aus unserem Kühlschrank etwas ausgelaufen ist. Auf die Schnelle legen wir uns auf einem Parkplatz trocken. Von Epernay aus geht es immer auf der Landstrasse entlang erst einmal bis Dormans. Bei strahlend blauem Himmel und bereits 22 Grad nehmen wir unser Petit déjeuner ein. So gestärkt beschließen wir den Ritt gen Meer konsequent in Angriff zu nehmen. Die Bedingung ist und bleibt ab: Landstrasse. Cháteau Thierry, Villers-Cotteréts, Compiègne sind entlang der Route durch die Champagne unsere Etappenpunkte. Uns fällt auf, daß die Rebstöcke in der Champagne sehr niedrig sind. Die Winzer haben kleine dreirädrige Sitze mit einer Art Fahrradsitz und damit fahren sie entlang der Reben. Die Traktoren sind hier auch gleichzeitig Vollernter und Spritzmöglichkeit. Auch hier ist alles sehr niedrig und im Vergleich zu unserer Weinregion liliput. Unterwegs entdecken wir wunderschöne Weingüter, die eher an Schlösser erinnern.
 
Von Compiègne aus geht es nach Beauvais. Hier füllen wir in einem Supermarkt unsere Vorräte auf und auch unser Womo braucht „Futter“. Nachdem wir bereits den ganzen Weg über die verblüffend unterschiedlichen Dieselpreise beobachtet haben (zwischen € 1,530 und € 1,386) tanken wir für € 1410 fast genau 60 Liter (und ein paar Tropfen, die Andy auf dem Boden verteilt – heute ist Andys Tropfentag). Wir haben zu diesem Zeitpunkt etwas über 600 KM gefahren und sind mit 10 Liter auf 100 KM nicht unzufrieden.
 
Von Beauvais aus geht es nach Rouen, das wir gegen 15:40 Uhr erreichen. Wir fahren mitten durch und plötzlich sind wir in einem Gewühl aus LKW's und PKW's und ich gestehe, daß ich ein wenig angespannt wurde. Andy aber auch ... Dennoch fahren wir souverän den richtigen Weg und sind sozusagen auf der Zielgeraden. Über Yvetot (wer mag nur den armen Yve getötet haben?!) geht es endlich ans Meer: Wir erreichen Fécamp und sehen es !! Grundziel des Tages erreicht *jubel*
 
Oberhalb von Fécamp entdecken wir einen Campingplatz, der zwar einen traumhaften Blick über die Stadt und das Meer bietet, aber uns ansonsten so gar nicht gefällt. Eng und recht voll wollen wir nicht. Weiter geht es in Richtung Etretat, denn in der Höhe von Yport sind gleich zwei Plätze eingezeichnet. Hier werden wir fündig und mieten uns ein Plätzchen oberhalb von Yport mit einer traumhaft schönen Aussicht für € 16,17.
 
Nachdem unser treues Mobil seinen Ruhepunkt gefunden hat und wir es fest vertäut und angeschlossen haben steigen wir über den Steilabhang hinunter nach Yport. Es ist Ebbe und es riecht nach Meer und Algen. Oben hat noch eine steife Brise geweht, aber hier unten in der Sonne ist es wunderschön und angenehm. In einem Restaurant / Pub essen und trinken wir. Andy bekommt endlich Fisch, der ihm sehr gut schmeckt und ich futtere eine Tarte de Camembert. Nach dem Essen klettern wir über den Kiesstrand und erfreuen unsere Muskeln mit Bewegung. Heute war es noch einmal ein langer Ritt. Ab morgen werden unsere Etappen bedeutend kleiner, denn ab jetzt geht es gemütlich entlang der Küste weiter. Wir erklimmen unseren Campingplatz hoch oben auf der Klippe und richten uns im Womo gemütlich ein. Die steife Brise verhindert ein Sitzen im Freien, aber damit können wir gut leben. Es ist ja alles noch so neu und aufregend. Andy frönt seiner Lieblingsbeschäftigung: Auf allen Vieren wischt er den Boden und ich kann mir ein Foto nicht verkneifen :-)
 
Kilometerstand: 838 km
 
Samstag, 24.05.2008
 
Heute nacht hatten wir „Besuch“: Eine Möwe landete auf unserem Dach und ihr Picken hat uns geweckt. Nach kurzem Wundern sind wir aber gleich wieder eingeschlafen und erst um 08:00 wieder wach geworden. In aller Gemütlichkeit frühstücken wir ganz deutsch mit Wurst und Vollkornbrot im Womo. Draußen sitzen ist leider nicht. Dazu ist es zu kalt. Es ist auch ziemlich grau und trüb, aber das lässt sich jetzt halt leider nicht ändern. Nach dem Frühstück   packen wir alles sturzsicher wieder ein, füllen Frischwasser auf und entleeren zum ersten Mal unser Chemieklöchen – was by the way überhaupt nicht eklig ist. Nun geht die Fahrt los.
 
Unser erstes Ziel heute ist Etretat. Die berühmten weißen Kreideklippen haben diesem Landstrich den Namen Alabasterküste eingebracht und hier in Etretat hat Claude Monet (1840 – 1926) viele Bilder gemalt. Sein Etretatbild ist allgegenwärtig in der kleinen Fischerstadt. Wir parken unser Womo oberhalb der Stadt und schnallen die Fahrräder ab. Per Pedes geht es hinab und direkt bis an den Strand. Weiter nun zu Fuß entlang an der Strandpromenade und dann klettern wir hinauf auf die Klippenformation. Wir kommen mächtig ins Schnaufen, aber der An- und Ausblick ist faszinierend. Eine Möwe spielt Fotomodell für Andy und er lässt sich hier nicht zwei Mal bitten :-) Aus schwindelerregender Höhe kraxeln wir wieder hinab und schlendern durchs Örtchen. Nun haben wir Lust auf Kaffee und trinken ihn vor einer Bar im Freien. Auf meine Frage in der Bar nach einem Aschenbecher (in zusammengestammeltem Französisch mit passenden Handbewegungen) macht man mir klar, daß wir doch bitte einfach die Straße verwenden sollen. Ich schaue verblüfft und sage „Oh!“ ... Beim Verlassen der Bar verfolgt mich lautes Gelächter. War es mein schlechtes, fast nicht vorhandenes Französisch oder mein Gesichtsausdruck ?!
 
Wir bummeln am Strand zurück zu unseren Stahlrössern und „reiten“ den Berg hinauf zum Parkplatz. Andys Gangschaltung macht schlapp und ich fürchte, daß das der erste und letzte Fahrradeinsatz im Urlaub war. Wir fahren weiter entlang der Küste nach Le Havre. Hier in der Stadt wird uns wieder einmal bewußt, daß man mit so einem Schneckenhaus ganz anders nach Parkplätzen suchen muss. Die normalen Plätzchen sind einfach zu klein und die oftmals ausgewiesenen Parkplätze für Womo's und Co. sind gar nicht so einfach zu finden. Am Hotel de Ville finden wir ein Plätzchen das unserem Häuschen auf Rädern reicht und wir parken endlich. Ich denke noch, daß Andy nen Witz macht als er das Hotel de Ville als Hotel tituliert, aber dann merke ich, daß er das wirklich glaubt. Endlich kann ich mal so richtig französisch auftreten und erkläre ihm mit französisch stolz geschwellter Brust, daß ein Hotel de Ville ein Rathaus ist :-))
 
Le Havre wurde 1944 durch die alliierten Angriffe komplett in Schutt und Asche gelegt. Daraufhin wurde es nach dem zweiten Weltkrieg wieder neu aufgebaut und Auguste Perret verwirklichte hier seine architektonischen Vorstellungen in Beton. Aber auch die Alleen, die er in sein Konzept mit eingebunden hat retten den Eindruck für mich nicht wirklich. Ich finde diese Stadt einfach nur kühl und hässlich :-(
 
Wir laufen ein wenig herum, durchqueren eine Mall im amerikanischen Stil und landen schließlich in einer Creperie. Endlich der erste Crepe *freudops* Darauf hab ich mich so sehr gefreut !! Andy wählt Crepe mit frischen Tomaten, Käse und Sardellen. Mich schüttelt es wegen den Sardellen. Mein Crepe ist auch mit frischen Tomaten und Käse, aber ich wähle lieber als dritte Zutat ein „Ouef“ - also ein Ei :-) Dazu trinken wir Cidre und der schmeckt uns köstlich. Die Crepes sind übrigens auch sehr lecker, aber leider viel zu schnell aufgegessen. Frisch gestärkt beschließen wir, daß wir keine Lust mehr auf Le Havre haben und wir machen uns auf gen Honfleur.
 
Bei Le Havre mündet die Seine in den Ärmelkanal. Daher heißt die Bucht auch Seine Bucht. Um nun von Le Havre aus über die hier sehr breite Seine zu gelangen hat man 1995 den Pont de Normandie fertiggestellt. Mit einer Länge von 2.141 Metern und einer Spannweite von 856 Metern auf zwei Pylonen ist dieses Wunderwerk eine der längsten Schrägseilbrücken der Welt. Die Durchfahrtshöhe für die Ozeanriesen beträgt 56 Meter. Die beiden Pylone haben eine Höhe von über 200 Metern. Der Spitzname „Die Harfe“ passt wirklich und der Anblick dieser Brücke ist faszinierend und beeindruckend zugleich. Schade, daß es noch immer einfach nur grau ist. Mit einem blauen Himmel wäre es bestimmt noch eindrucksvoller. Wir fahren über die bereits sehr steile Anfahrtsbrücke an die Mautstation und freuen uns, daß wir wie ein PKW behandelt werden und wir daher nur € 5,-- für die Überfahrt bezahlen müssen. Dann geht es ab in den Himmel ... Andy hat das Lenkrad fest im Griff. Der Wind ist heftig und das gerade mal hüfthohe Geländer sieht nicht so aus als das es uns auffangen würde. Bei einer Windgeschwindigkeit von über 100 km/h wird der Pont übrigens für leere LKW's gesperrt.
 
Wieder unten geht es gleich rechts ab nach Honfleur und wir finden am Ortseingang den Parkplatz für „Brummifahrer“ wie uns :-) In ca. 5 Minuten haben wir das Centre Ville erreicht und es ist so schön. Um einen kleinen rechteckigen Hafen stehen lauter alte Fischerhäuser und fast überall sind Bars, Restaurants, Brasserien und Creperien untergebracht. Überall kann man im Freien unter Markisen und Schirmen sitzen. Letzteres ist plötzlich auch nötig, denn es fängt an zu regnen. Wir flüchten vor eine Brasserie unter die Markise und ich bestelle mir den in Deutschland schon angekündigten Pastis. „In Honfleur trink ich am Hafen einen Pastis – egal um welche Uhrzeit wir dort sind!“ Gott sei Dank ist es dann immerhin doch schon fast 14:30 Uhr. Der Regen ist schnell vorbei und wir ziehen weiter. Die engen Gässchen in Honfleur sind so wunderschön und die alte Holzkirche sehenswert. Unterwegs kommt uns eine laut hupende Hochzeitsgesellschaft entgegen und wir winken eifrig mit.
 
Weiter geht es in Richtung Trouville / Deauville. Hier muss ich an den Strand, denn ich habe ja voller Begeisterung das Buch „Am Strand von Deauville“ gelesen. Auf dem Weg dahin entdecken wir ein Schild zu einem Campingplatz mit vier Sternen in Touques – fünf Kilometer vor Deauville. Wir buchen uns und unseren treuen Kameraden auf vier Rädern für € 21,60 ein und bekommen einen hübschen Platz zugewiesen. Die sanitären Einrichtungen sind um Welten besser als gestern oberhalb von Yport. Dort hatte das alles irgendwie den Charakter einer Jugendherberge und duschen wollten wir dort nicht. Hier in Touques ist duschen okay :-) Wir haben hier sogar direkt hinter unserer Hecke einen Pool, den wir aus Temperaturgründen aber leider nicht benutzen werden. Der Platz ist geöffnet bis 23:00 Uhr und somit können wir jetzt in aller Ruhe gen Trou- / Deauville aufbrechen. Nach kurzer Suche parken wir unser Gefährt auf zwei Parkplätzen und brave Deutsche die wir sind ziehen wir auch zwei Parkscheine und marschieren los. Nach nur wenigen Schritten öffnet der Himmel alle Schleusen und ein Platschregen macht uns zu schaffen. Ab ins Restaurant – Hunger haben wir eh.
 
Leider sind wir fürs Menü noch zu früh, aber die normale Karte ist auch nicht von schlechten Eltern. Ich, jawohl ich bestelle Fisch !!! Es gibt einen köstlichen gegrillten Lachs mit einer Sauce, die ein bißchen Remoulade und ein bißchen Sauce Bernaise ist, dazu Pommes und gegrillte Tomaten. Andy schließt sich mir an. Wir trinken dazu eine Flasche Cidre mousseux (eine Art Schaumwein auf Basis des Cidres). Leider regnet es auch nach dem Essen noch Bindfäden und wir beschließen zum Campingplatz zu fahren. Gut so, denn der Cidre hatte bei Andy eine durchschlagende Wirkung. Der Abend klingt frisch geduscht im Womo aus. Die Regentropfen klingen im Inneren anheimelnd. Morgen wollen wir uns auf die Spuren des D-Days machen.
 
Kilometerstand: 939 km
 
Sonntag, 25.05.2008
 
Frühstücken und verstauen klappt jetzt schon prima. So langsam werden wir waschechte Camper :-) Andy verschlabbert zur Abwechslung mal nichts, aber zum Ausgleich schmeißt er eine Kaffeetasse über den Platz. Der Henkel hat seinem Schwung beim ausspülen nicht standgehalten. Großzügig biete ich an: „Schatz, ich kauf Dir eine neue Tasse.“ und erhalte zur Antwort: „Warum mir? Das war Deine Tasse!“ :-))) Prima, dann darf ich mir eine neue Tasse kaufen *freu*
 
Vom Platz in Touques aus geht es nach Deauville an den Strand. Casino, Hotels very „grand“ und alte wunderschöne Villen links und rechts der Strand. Dazwischen sind wir auf der Strandpromenade ganz piano mit 30 km/h. Es ist noch immer grau, aber es regnet nicht mehr. Wie immer um diese Uhrzeit ist Ebbe. Strand ist einfach bei Flut schöner. Entlang der D514 fahren wir in Richtung der D-Day Strände. Der D-Day war am 06. Juni 1944. Um 0:05 Uhr landeten britische Fallschirmspringer zwischen der Orne-Mündung und Arromanches. Der Tag der alliierten Landung war angebrochen. Mit diesem Tag hat „Overlord“, eine der größten Militäroperationen der Menschheit, begonnen.
 
In Ouistreham halten wir an und laufen auf den Sandstrand (Sword Beach). Wir sehen die einlaufende Fähre von Portsmouth kommen. Portsmouth (GB) erreicht man mit der Fähre von hier aus in ca. 6 Stunden. So klein kann die Welt sein. Weiter geht es immer an der Küste entlang und fast immer mit Meerblick bis zum Aussichtspunkt oberhalb von Arromanches-les-Bains. Hier parken wir und haben den ersten Blick auf die Bucht, die inzwischen Gold Beach heißt. Noch immer sieht man hier von oben den künstlichen Hafen, den die Deutschen im zweiten Weltkrieg im Meer angelegt haben. Wir stehen da und betrachten die Bucht. Busladungen von Engländern strömen zum Aussichtspunkt und wir zum 360 Grad Kino. Alle 30 Minuten fängt hier ein 18 minütiger Film an, der eine Mischung aus Originalaufnahmen und neuen Filmaufnahmen zeigt. Sprachprobleme gibt es hier nicht, denn diese Bilder bedarfen keiner Worte.
 
Tief beeindruckt verlassen wir das Kino und steigen die steilen Stufen hinab nach Arromanches. Tourismus pur und ganz auf USA ausgerichtet werden wir im alten Städtchen mit Jazz aus den 40er Jahren empfangen. „Bei mir bist Du schön ...“ Wir haben ein kleines Hungergefühl und streben gen Creperie. Heute gibt es Galette mit Schinken und Käse – für Andy mit Pilzen und für mich mit Ouef. Dazu wählen wir eine Flasche Cidre aus regionalem Anbau wie man uns erklärt. Ein Espresso rundet unser Mittagessen ab und frisch gestärkt klettern wir wieder hoch auf die Klippen und zu unserem Womo. Ein letzter Blick und weiter geht es nach Colleville-sur-Mer. Oberhalb des Ortes ist der größte amerikanische Friedhof   in der Normandie. Unzählige Reihen mit weißen Kreuzen machen uns sprachlos. Auch wenn man Verdun kennt: Es macht mich immer wieder fassungslos. Man sollte doch meinen, daß man nach Verdun und dem ersten Weltkrieg was gelernt hat. Daß dem so nicht ist wissen wir ja, aber hier zu stehen ist schon bedrückend. Typisch USA ist natürlich die gesamte Aufmachung mit durchleuchten der Handtaschen und kompletter Videoüberwachung des Geländes. Der Nabel der Welt hat sogar hier die Hosen voll und ich fühle mich auf diesen paar Quadratmetern oberhalb des Atlantiks wie in den Staaten. Mein Gefühl bekommt Nahrung durch eine Gruppen Studenten, die erst die amerikanische Nationalhymne singen und anschließend sich vorstellen. Studenten aus Illinoes auf Europatour von München bis Paris. Aha ... das also ist Europa ;-) Sie singen noch ein paar Lieder – wir ziehen weiter. So viel Patriotismus an einem Ort der Ruhe und Stille (so steht das da auf nem Schild für Pietätlose!) halt ich nicht aus.
 
Wir fahren weiter bis zum Pointe du Hoc und laufen auf die Anhöhe. Hier standen damals die Deutschen mit starkem Geschütz und beobachteten rechts Omahabeach und links Utahbeach. Das klappte wohl auch ganz gut bis zum D-Day, aber dann kamen über dem Pointe du Hoc die Flieger rein und entluden ihre Bomben. Tiefe Krater zeugen von diesem Tag und wir wandern um die Krater herum. Zurück zum Parkplatz entdecken wir ein Schild in mehreren Sprachen. Deutsch ist auch dabei: „Versuchen nicht Diebe. Verlassen in ihren Wagen nicht Gegenstand!“ Wehe, wenn noch jemals jemand über mein Französisch lacht !!!
 
Weiter geht es gen Utahbeach, denn hier soll es einen Campingplatz geben. Tatsächlich ist da einer: Direkt am Strand und einfach nur schön. Die sanitären Einrichtungen sind hier echt klasse und von allen Plätzen bis jetzt am saubersten. Hier buchen wir uns ein, stellen das Womo ab, schließen alles an und marschieren zum Beach. Das Wasser zieht sich gerade zurück. Es ist mal wieder Ebbe angesagt. Ich sammle zwei Muscheln als Andenken an den Utahbeach und drücke meinen Fuß in den Sand. Andy schreibt mir einen Liebesbrief in den Sand und die Sonne scheint bei starkem Wind. Das Leben ist schön !!
 
Zurück auf unserem Platz wollen wir eigentlich ins Restaurant, aber leider ist das nur mittags geöffnet. Schade :-( Wir essen im Womo und gehen anschließend ausgiebig duschen. Kurze Telefonate mit der Heimat beenden den Abend. Ein historisch geprägter Tag geht zu Ende. Morgen geht es gen Mont St. Michel und ab in Richtung Bretagne.
 
Kilometerstand: 1.093 km
 
Montag, 26.05.2008
 
Wir haben eine fürchterliche Nacht hinter uns: Ein Unwetter mit Sturm und Regen hat die ganze Nacht getobt. Wir haben so gut wie nicht geschlafen und sind ziemlich gerädert. Auf dem Platz schräg gegenüber hat ein Niederländer die Nacht ab 02:30 Uhr im Auto verbracht. Sein Zelt (neu) hat die Nacht nicht überlebt und er entsorgt es noch vor Ort. „I've got enough – i drive home“ ... Wir wünschen ihm eine gute Reise, verstauen unsere sieben Sachen und gehen bezahlen. Überraschung: Der Platz sollte ca. € 27,-- kosten laut Preisliste am Eingang. Tatsächlich bezahle ich nur € 14,-- und bin platt. Bis jetzt war das echt der Platz mit den besten Klöchen und den saubersten Dusche UND auch noch der Preiswerteste. Ob wir einen Unwetterrabatt erhalten haben? Wir fahren noch immer im Regen (jetzt nur noch Niesel) weiter bis Cotentin. Dort ist Markttag und wir laufen quer beet. In einer Boulangerie kaufen wir uns ein Frühstück ein. Leider können wir es nicht in der Sonne genießen, aber es schmeckt uns trotzdem.
 
Andy kränkelt auf dem Weg nach Coutances. Die Nacht steckt uns Beiden mächtig in den Knochen. Utahbeach hat sich nicht freundlich gezeigt und das spüren wir. In Coutances kaufen wir zwei neue Tassen :-))) und auch sonst ein bißchen was ein. Dann geht es weiter in Richtung Grandville. Ich übernehme das Lenkrad und Andy halt einen Powernap auf dem Beifahrersitz. Kreisverkehr für Kreisverkehr machen wir Kilometer. Ich hätte eine Strichliste machen sollen für all die Kreisverkehre. Es sind Unmengen hier in Frankreich. Und dann erreichen wir sozusagen die andere Seite der Cotentin-Halbinsel und ein blauer Himmel mit Sonnenschein nimmt uns in Empfang. Das tut so gut nach der letzten Nacht. Oberhalb von Grandville finden wir einen Parkplatz für Camper und einen Aussichtspunkt über die Bucht, den Hafen und die Stadt. Wir laufen ein Stück und glotzen und genießen die Sonne und die angenehme Meeresbrise.
 
Weiter geht es immer entlang an der Baie du Mont Saint-Michel. In Jullouville entdecken wir eine hübsche Creperie und halten an. Andys Galette ist ganz „Mare“ mit Lachs und Krabben – ich bleibe traditionell. Ein Espresso später geht es weiter. Und dann auf einmal hinter einer Kuppe taucht ER auf. Der Mont in weiter Ferne und so unwirklich. Ich habe sofort „'aut von Gans“ und bin hin und weg. Natürlich muss Andy rechts ran fahren und ich mache das erste Foto. Auf dem weiteren Weg über Avranches zum Mont sehen wir ihn immer mal wieder auftauchen und er kommt näher. Je näher wir zu ihm kommen um so beeindruckender wird er. Und dann rollen wir in das touristisch geprägte Örtchen 2 KM vor der Strasse zum Mont. Unter uns gesagt: Ich weiß nicht, ob es Mont St.-Michel heißt oder anders, aber eigentlich ist das ja auch egal. Es gibt hier zwei Campingmöglichkeiten: Einen richtigen Platz und einen „Parkplatz“ nur für Camping-Cars wie uns. Der „Parkplatz“ kosten € 8,40 für eine Nacht. Dafür kann man 100 Liter Frischwasser tanken, die Chemietoilette entleeren und das Abwasser loswerden. Es gibt Waschmaschinen und Trockner. Den Stellplatz mit Strom darf man sich selbst aussuchen, aber es gibt keine sanitären Anlagen. Brauchen wir nicht für eine Nacht und wir beschließen hier zu bleiben. Der Platz, den wir uns aussuchen, hat direkten Blick auf den Mont :-)
 
Wir richten uns ein und schnallen die Fahrräder ab. In ca. 20 Minuten radelt man hin und dabei hat man die Insel immer im Blick. Leider ist Ebbe. Ich hatte so sehr gehofft, daß wir es „im Wasser“ erleben dürfen. Am Eingang lesen wir, daß das Wasser gegen 22:00 Uhr kommt. Schade ... Wir erklimmen den Berg und steigen hinauf bis zur Abteikirche. Der Blick ist grandios von hier oben und – oh Wunder – die Sonne scheint. Weiter hinten sehen wir dicke, graue Regenwolken. In Avranches regnet es, aber hier oben beim heiligen Michael ist eitler Sonnenschein. Die Abteikirche der Benediktiner beeindruckt durch ihre schmucklose Schönheit. Keine Kerzen, keine Blumen, keine Altargaben: Man spürt, daß hier ohne Pomp gebetet und meditiert wird. Selbst die Orgel ist eher praktisch als schön, doch gerade diese Schlichtheit gefällt mir sehr. Wir hören leise die Gesänge der Mönche, die sich wohl in ihre eigenen Hallen zurückziehen und erst nach Anbruch der Dunkelheit bzw. nach Abreise der Touristen in der Abteikirche einfinden. Verständlich, aber dennoch schade, denn die Gesänge sind einfach schön anzuhören. Langsam steigen wir wieder hinab und schlendern vorbei an unzähligen Läden, die alles anbieten was man nicht braucht. Wir betrachten die Fotos vom Mont im Wasser. So sieht es also „nass“ aus. Langsam ziehen wir zu unseren Drahteseln. Es braut sich schon wieder ein Wetter zusammen und mein Bedarf an Regen ist eigentlich gedeckt. Ca. 500 Meter vorm Womo fängt es erneut an zu regnen. Schwein gehabt ;-)
 
Wir machen uns frisch und relaxen ein wenig. Der Regen hört auf und wir laufen zum Essen los. Verschiedene Restaurants preisen ihre Speisen in allen Sprachen an. Wir entscheiden uns für das „La Rotisserie“. Ein Kellner (der üble Zähne hat - ein eindeutiger Fall für Uta) führt uns zu einem Katzentisch in der Ecke. Aus der Karte in deutsch und englisch wählen wir unsere Speise. Als Aperitif gibt es für mich einen Kir Normandie (lecker) und für Andy einen Cidre. Ich bestelle mir eine Menü und wähle eine Gemüsesuppe, eine Truthahnkeule mit Senfsoße und zum Dessert ein Nougateis mit Erdbeeren. Klingt gut, aber die Realität sieht anders aus. Andy entscheidet sich für 6 Austern als Vorspeise und für einen Fischertopf. „Mahlzeit“ fällt mir persönlich dazu nur ein :-) Andy ist begeistert von seinen Speisen. Es hat ihm sehr gut geschmeckt. Meine Suppe war wirklich lecker. Da gib es nichts zu meckern. Vor meiner Hauptspeise sitze ich einen Moment schweigend: Meine Keule ist überschüttet mit Senfsoße und das ganze wurde mir auf Sauerkraut serviert. Eine „gewagte Kreation“ die mich nicht vom Hocker reißt. Das Nougateis war lecker, aber „mit Erdbeeren“ doch sehr hoch gegriffen. Tatsächlich war neben dem Eis EINE halbe Erdbeere. Der Service war auch nur zweitklassig. Man merkt halt doch, daß das hier ne Touristenhochburg ist und dieses Restaurant mit Sicherheit keine Stammkundschaft hat. Den Hammer schießt der Kellner aber noch während meinem Dessert ab „Cafe?“ „Non, mercie.“ Und schwupp liegt die Rechnung auf dem Tisch. Hallo ?! Vielleicht hätten wir ja noch einen Calvados getrunken ... Hätten wir nicht, aber das kann der ja nicht wissen. Wir beschließen ihn und vor allem uns nicht weiter zu ärgern und bezahlen. Mit feuchten Füssen kommen wir am Womo an und verkriechen uns in unsere Höhle. Vom Bett aus kann man den Mont sehen und ich geh nachher wenn es dunkel ist noch mal raus: Ich will noch Fotos vom beleuchteten Mont St.-Michel ;-)
 
Kilometerstand: 1.237 km
 
Dienstag, 27.05.2008
 
Das mit den Bildern im Dunkeln war nichts :-( Das packt die kleine Cam nicht ... Ich hab es versucht, aber leider ohne Erfolg. Dafür standen wir aber noch ein wenig an der Hecke vom Campingplatz und habe es uns in Ruhe betrachtet. UND ich hab heute nacht immer mal wieder rausgeguckt. So schön *seufz* Was weniger schön war heute nacht und auch heute bis mittags: Das Wetter ...Es regnet und regnet und der Himmel ist grau. Ich will Sonnenschein !!!
 
Wir brechen um 09:20 Uhr auf und sagen dem Mont „au revoir“. Heute wollen wir an die bretonische Atlantikküste. Die N175 führt uns bis kurz vor Rennes. Hier umfahren wir die Stadt – auf City haben wir alle Beide keine Lust – und fahren weiter auf der N12 / N164 bis Merdrignac. Hier ist ein Tankstop angesagt und wir füllen ca. 67 Liter für € 1,450 pro Liter in den Tank. Weiter führt uns die N164 über Loudéac, Carhaix-Plouguer und Cháteauneuf-du-Faou nach Chateaulin. Hier sind wir fast am Ziel und hier machen wir Rast. In einer Brasserie verputzen wir Croque mit Schinken und Käse – dazu gibt es den ersten bretonischen Cidre. Der dicke Hund vom Besitzer bettelt Andy an und Andy gibt nach :-) Jetzt hat er in Chateaulin einen vierbeinigen Freund. Unser Weg führt uns nun nach Locranan. Hier war ich als Kind schon einmal mit meinen Eltern. Verblüffenderweise erkenne ich tatsächlich einiges wieder. In der Kirche Èglise St-Ronan (1420 – 1444 erbaut) zünde ich zwei Kerzen für die beiden Großelternpaare an. Wir bummeln durch die wunderschöne alte Stadt, die gerade mal 800 Einwohner hat. Locronan hat auch eine Geschichte: Im späten 19. Jahrhundert schickte ein armer Händler seine Tochter als Hausmädchen auf das Gut eines adligen Verwandten. Dieser vergewaltigte die junge Frau. Das Unglück, das damit seinen Lauf nahm, hat Roman Polanski im Jahre 1979 verfilmt. Der Film heißt „Tess“ und die inzwischen denkmalgeschützte Altstadt diente als Kulisse.
 
Zurück am Womo merken wir, daß wir langsam müde werden. Viel Fahren wollen wir jetzt nicht mehr. Wir haben schon einige Kilometer heute auf dem Buckel. Dennoch fahren wir über Crozon und Morgat an das Cap de la Chèvre. Hier ist ein Campingplatz, aber der gefällt uns überhaupt nicht. Also fahren wir wieder zurück in Richtung Douarnenez und somit immer entlang an der Baie de Douarnenez. Den ersten eingezeichneten Platz treffen wir dank einer Baustelle und Umleitung nicht. Beim Zweiten verpassen wir die Anfahrt. Langsam sind wir Beide genervt und wir zicken uns kurz an. Doch das anzicken ist schnell vorbei, denn dann entdecken wir ein echtes Juwel: Am Point de Lanvillau finden wir einen Platz ca. 100 Meter vom Strand entfernt mit einem unbeschreiblichen Blick. Die sanitären Anlagen sind zwar alt, aber super sauber. www.camping-iroise.fr
 
Andy flitzt zum Häuschen und ich packe ein paar Dinge aus und um. Plötzlich bekomme ich Besuch: Ein Hund begrüßt mich und betrachtet andächtig mein Tun. Andy wird bei seiner Rückkehr ebenso freundlich begrüßt und wir „unterhalten“ uns international ;-) Dann zieht es uns an den Strand. Es ist Ebbe, aber das Wasser kommt schon. Wir laufen über den Strand und ich muss einfach meine Schuhe ausziehen. Bis vor ans Wasser muss ich gehen und meine Füße in den Atlantik stellen. So kalt kommt es mir gar nicht vor, aber baden (wie die sechs jungen Mädchen) möchte ich dann doch nicht. Hunger und Durst macht sich breit und wir gehen zurück zu unserer rollenden Höhle. Ein kurzer Plausch mit den Schweizern ein Plätzchen weiter und dann gibt es Abendbrot. Nach dem Essen rufen wir zu Hause an und erstatten Bericht. Unten am Strand ist inzwischen das Wasser angekommen. Andy putzt erst sich und dann das Womo – ich tippe Reisebericht ;-) Wenn ich hier beim Tippen den Kopf drehe, dann sehe ich den Sonnenuntergang über dem Meer.
 
Kilometerstand: 1.628 km
 
Mittwoch, 28.05.2008
 
Nachtrag: Wie verhext ist das. Die Sonne war gestern Abend noch am untergehen und parallel dazu fing es schon wieder an zu regnen – konsequent die ganze Nacht ...
 
Andy checkt uns für € 20,70 aus, wir wünschen den Schweizern eine gute Fahrt und ziehen los gen Douarnenez. Dort marschieren wir erst einmal zum Hafen. Es ist grau und stark bewölkt. So langsam macht sich bei mir Wetterfrust breit. Im Centre Ville betrachten wir (ich naserümpfend) in der Markthalle das Fisch- und Meeresfrüchteangebot. Zu gerne würde Andy hier einkaufen, aber wir haben keinen Grill dabei. In einer Boulangerie kaufen wir uns von den leckeren Schokoladenbrötchen die bei uns in Deutschland als Schokoladencroissants verkauft werden ;-) Falsch: Das heißt Pain de Chocolade *klugscheissermodusaus*
 
Douarnenez ist der sechstgrößte Fischereihafen von Frankreich und hat 16.500 Einwohner. Der Name ist aus dem bretonischen „Duar an enez“ entstanden und das bedeutet „Land der Insel“. Vor der Stadt liegt die Ile Tristan (die sich von mir freundlicherweise einmal im trüben und einmal im halbwegs sonnigen Antlitz knipsen lässt). Weg hingegen ist die Stadt Ys. Angeblich ist sie wegen ihres sündigen Treibens im Meer versunken. Am Hafen trinken wir Kaffee und dann zieht es uns weiter zum Point du Raz. Unterwegs entdecke ich dann die Kirche, die wir damals in unserem Urlaub in Audierne auch gesehen haben. Damals war dort ein Umzug und ein Volksfest. Der Ort heißt Confort-Meilars und Andy muss rechts ran fahren. Ich brauche Beweisfotos ;-)
 
Weiter geht es zum Pointe de Raz (inzwischen ein Naturschutzgebiet und im Besitz der französischen Institution zur Bewahrung des Küstenraums). Am Parkplatz stellen wir uns ab und dann machen wir uns auf den Weg ans Kap. Wir laufen ca. 30 Minuten über befestigte Weg. Rechts und links blüht der Ginster, dazwischen die Strohblumen, die ich als Kind gepflügt habe. Inzwischen darf man die befestigten Wege nicht mehr verlassen, wofür ich Verständnis aufbringen kann. Und dann sind wir vorne an der Spitze. Ein Helikopter landet und startet auch gleich wieder weiter. Hier ist ein Marinestützpunkt und wir vermuten, daß der Heli jemanden abgesetzt hat. Vorne an der Spitze darf man noch klettern und genau das machen wir auch. Und dann das Wunder: Der Himmel reißt auf und die Sonne traut sich hervor. Vor uns im Meer taucht die Ile de Sein auf und jetzt ist es noch viel schöner hier. Außer uns sind nur wenige Leute hier und so genießen wir das Pointe recht friedlich. Eine Möwe „setzt“ sich zu uns und ich füttere sie mit den in Douarnenz beim Kaffee mitgenommenen Keksen. Nachdem wir ausgiebig von unserem Kletterrecht gebrauch gemacht haben wandern wir wieder zurück. Ein Hungergefühl macht sich bemerkbar und wir fahren nach Audierne. Liebe Eltern, muss ich tatsächlich erst fast 40 Jahre alt werden um zu merken, daß Ihr mich beschwindelt habt? Wir haben damals NICHT in Audierne Urlaub gemacht. Wir waren damals in Esquibien !!! *lach* Die Kaimauer ist noch da und auch der wunderschön Sandstrand. Unser Ferienhaus von damals haben wir nicht gesucht. Wir hätten es bestimmt auch nicht gefunden. In Audierne essen wir Crepe und trinken Cidre. Entlang der Küste fahren wir bis Pouldreuzic und dort finden wir einen Campingplatz, der zwar nicht am Meer ist, aber uns dennoch sehr gut gefällt. Hier bleiben wir für € 15,70. Übrigens: Die Sonne scheint !!!! Wenn man dem glauben schenken darf, was uns zwei junge Deutsche mit Zelt zwei Grundstücke weiter erzählt haben, dann soll das Wetter jetzt doch tatsächlich besser werden. Schön wäre das ... Der Schweizer heute morgen meinte zu mir: „Regen ist gut für die Blümchen.“ Meine Antwort: „Ich bin aber kein Blümchen!“
 
Kilometerstand: 1.741 km
 
Donnerstag, 29.05.2008
 
Ich erwache mit strahlend blauem Himmel und flitze aus der Koje. Juhu !!! Die Sonne scheint und es ist erst 08:00 Uhr. Heute koche ich Kaffee und serviere ihn Andy ans Bett. Wir frühstücken (noch im Womo), packen zusammen und fahren los. An Quimper vorbei geht es nach Concarneau und dort in die Ville Close. Concarneau ist ein kleines Pendant zu St. Malo mit 18.600 Einwohnern. Die Ville Close ist die Altstadt von Concarneau und ist heute wie eine befestigte Insel im Hafenbecken der sogenannten Neustadt. Nach der Besetzung der Engländer im 14. Jahrhundert wurde Concarneau befestigt und im 17. Jahrhundert befestigte und sicherte ein Baumeister namens Vauban alles noch mal :-) Im Inneren stehen viele Granithäuser, die fast alle aus dem 16. Jahrhundert stammen. Es häufen sich Souvenirläden, Cafes, Creperien und Restaurants. Wieder einmal haben wir Glück: Es ist so gut wie nichts los. Aber Andy macht mir Kummer. Irgendwas ist in seinem Rücken und Co. ist mal wieder nicht so wie es sein sollte. Ihm ist schwindlig und er huscht nur von Bank zu Bank. Ich kaufe ihm einen bretonischen Anhänger an einer schwarzen Gummikette als Talisman und Erinnerung an unseren Urlaub, aber so richtig freuen kann er sich noch nicht. Es geht ihm einfach nicht gut. Nachdem ich für mein Tigerchen noch einen kleinen Aufkleber erstanden habe verlassen wir die Ville Close.
 
Gegenüber der Ville Close trinken wir eine Kaffee und teilen uns einen süssen Crepe mit weißer Schokolade. Aber weder Kaffee, Crepe noch Wasser helfen. Ich lass Andy auf einer Parkbank und laufe zurück zu unserem Parkplatz oberhalb von Concarneau. Beim Runterfahren bums ich mit dem rechten Außenspiegel irgendwo an und der Spiegel klappt nach innen. Nun sehe ich noch nicht mal das von mir gebumste Hindernis. Da sich hinter mir nichts tut, keiner hupt oder ähnliches fahre ich stillschweigend weiter bis zum Parkplatz für PKW's und sammle Andy ein. Gott sei Dank habe ich die Karte inzwischen recht gut im Kopf und so fahre ich mit einem schlafenden Andy auf dem Beifahrersitz über Pont-Aven und Quimperlé bis Lorient.
 
Da es in Frankreich scheinbar so gut wie keine Radiosender gibt sinniere ich so vor mich hin über Frankreich im Allgemeinen und im Speziellen. Vorurteil Unordnung? Kann ich hier in Nordfrankreich so nicht unterschreiben. Alle Hecken sind geschnitten – besser und phantasievoller als ich das je in Deutschland so gesehen habe. Die Rasenflächen sind gemäht und die Blumenrabatten tiptop gepflegt. Die Strassen sind sauber und irgendwo fegt oder saugt immer jemand. Was echt nervig ist: Hier gibt es mehr Kreisverkehre als mir je woanders untergekommen ist. Großbritannien kann gar nicht mehr haben. Jede noch so kleine Kreuzung ist ein Kreis. Ohne Worte ... Und dann das mit dem Radiosendern: Es gibt nur eine Hand voll Sender pro Region und kaum hat man mal einen gefunden, dann ist der ein paar Kilometer weiter wieder weg. Vorurteil Autofahren? Naja :-) Die fahren hier echt nen heißen Reifen, aber komischerweise funktioniert es. Wir haben bis jetzt noch keinen Unfall gesehen. Vorurteil Sprache? Wo auch immer wir bis jetzt waren kamen wir klar. Irgendjemand hat immer ein paar Brocken Englisch gesprochen oder jemanden geholt der englisch kann. Und in den wenigen Fällen ohne Englisch sind wir mit unseren Brocken Französisch und mit Händen und Füßen klar gekommen. Trotzdem: Ich will jetzt endlich französisch lernen !!!
 
Andy wird langsam wieder munterer. Nach Lorient und Hennebont halte ich an einem Parkplatz im Wald und verdonnere Andy zu „Turnübungen“. Wenn's klemmt, dann muss halt Bewegung her. Und siehe da: Es wird langsam besser ;-) Ich fahre weiter bis Belz und dort schauen wir in einem Super-U nach einem Einweggrill. Unterwegs auf den diversen Plätzen haben wir die schon öfters gesehen und wir hätten Lust uns etwas zu grillen. Leider hat der Super-U so etwas aber nicht.
 
Jetzt übernimmt Andy wieder das Lenkrad und wir fahren quer durch die Menhirefelder von Carnac. Ehrlich gesagt bin ich unheimlich enttäuscht. Als Kind kann ich mich erinnern, daß wir Dolmen und Menhire mühsam im Wald gesucht und dann erkundet haben. Heute sind die großen Felder eingezäunt und man steht wie im Zoo vorm Zaun und guckt rein. Dafür soll man pro Nase € 6,-- berappen und da ist mir dann schlagartig die Lust vergangen. Nicht anfassen und nur am Zaun stehen kann ich auch woanders ... Ich verstehe ja das Problem mit den vielen Touristen, aber enttäuschend waren die eingezäunten Anlagen doch. Wir finden dann aber mitten im Wald doch noch Dolmen und Menhire, die sich sehr gerne von uns bewundern und betatschen lassen :-))
 
Weiter geht es nach Carnac.   Wir wollen entweder hier oder in Quiberon übernachten. In Carnac finden wir keinen Campingplatz und somit fahren wir weiter gen Quiberon. Die Sonne brennt auf uns und unser Schneckenhaus herab und wir wollen nur eins: An den Strand, Sonne tanken und im Freien sitzen. Im Reiseführer wird ein Platz erwähnt an der Spitze von Quiberon mit 4 Sternen. Den fahren wir an und das ist genau das, was wir gesucht haben: Genau gegenüber ist der Strand !! www.campingduconguel.com Wir checken ein (man spricht deutsch!), zahlen moderate € 19,95 (zur Erinnerung: 4 Sterne!), suchen uns ein Plätzchen und schmeißen Jeans, Pullover und Co. aufs Bett. Bikini und kurze Hosen kommen zum ersten Mal zum Einsatz und dann spazieren wir ewig lang in der Sonne am Strand entlang. Ich traue mich ganz mutig bis zu den Oberschenkeln ins kalte Wasser. Es ist übrigens mal wieder Ebbe ...
 
Das Wetter ist so HAMMER !!! Wir haben so nach Sonne gelechzt und jetzt tanken wir auf. Der erste komplett schöne Tag in Sachen Wetter. Wir essen vorm Womo und endlich hat es sich gelohnt Stühle, Tisch und Tischdecke mitzunehmen. Im Reiseführer steht: 8.760 Stunden hat das Jahr. Wenn man bedenkt, daß gut ein Drittel davon auf die Nachtzeit entfällt, dann sind 2.000 Sonnenstunden der reinste Traum. Und genau diesen bereitet die milde Halbinsel der südlichen Bretagne uns heute.
 
Kilometerstand: 1.941 km
 
Freitag, 30.05.2008
 
Heute haben wir doch tatsächlich einmal etwas länger geschlafen. Ich war zwar um 07:30 Uhr schon einmal wach und habe die Sonne über dem Meer bewundert, aber dann hab ich doch noch mal die Augen zugemacht. Aufgestanden sind wir dann um 09:15 Uhr und zum Frühstück haben wir eine Marmeladenprobe gemacht. Wir haben im Supermarkt fünf Minigläschen Marmelade in verschiedenen Geschmacksrichtungen erstanden und drei davon haben wir heute schon einmal probiert. Nun wissen wir auch, daß Kirsche „Cerise“heißt. Nach der Frühstücksmarmeladenprobe ging es ans zusammenpacken und dann haben wir schweren Herzens vom Meer Abschied genommen. Zu gerne wäre ich hier noch eine Nacht geblieben, aber dann müssten wir auf die Loires verzichten und das wollen wir ja dann doch nicht.
 
Von Quiberon aus geht es auf der Landstrasse in Richtung Auray. Unterwegs entdecken wir noch einen Dolmen, der vermutlich 3.500 vor Christi erbaut wurde. Wie schön: Man darf ihn betatschen, besteigen und durchklettern. Natürlich muss ich auf der Stelle den Dolmen besteigen und Blödsinn machen. Andy hält das mit der Cam für die Nachwelt fest. Auf dem Rückweg zum Parkplatz kommt uns eine Schulklasse entgegen und wir beglückwünschen uns mal wieder. Wir hatten den Dolmen für uns ganz alleine :-)
 
In Auray fahren wir auf die N165 in Richtung Nantes. Diese N's (oder auch RN's für Roue National) sind ausgebaut wie Autobahnen, aber es sind keine. Zügig kommen wir voran und somit immer näher in Richtung Loires. In Savenay fahren wir kurz ab und tanken für € 1,409 (bis jetzt fast das günstigste Angebot) 68,85 Liter Diesel. Nach Nantes fahren wir von der N runter auf die Landstrasse in Richtung Angers. Wir erreichen Varades gegen Mittag und halten an einer Pizzeria / Creperie an. Andy futtert Pizza und ich Galette. Vermutlich wird das der letzte Galette sein. Schade ...
 
Frisch gestärkt setzen wir zum Endspurt an. Die Landstrasse führt uns ab Angers immer entlang der Loires. Die Loires hat Hochwasser und die Wiesen sind überflutet. Es scheint also nicht nur in der Normandie und in der Bretagne geregnet zu haben. Ich stelle fest, daß wir mit der Seine an den Atlantik gekommen sind und nun mit der Loires den Atlantik wieder verlassen haben. Durch das Hochwasser sind sogar einige Campingplätze geschlossen, denn die meisten Plätze sind hier direkt am Ufer. Gegen 16:00 Uhr erreichen wir Saumur. Ein bißchen irren wir durch die Stadt und wir müssen auch einmal umdrehen, denn wir sind zu hoch für die Durchfahrt eines Stadttores, aber dann finden wir einen Campingplatz für heute Nacht. www.cvtloisirs.com Vor dem Platz schauen wir verwundert, denn da steht genau das gleiche Womo !! Kennzeichen? MA – RC ... Und dahinter stehen zwei weitere Womo's mit MA – RC. So ein Zufall: Da treffen wir mitten in Saumur gleich auf drei weitere Womo's vom RC in Mannheim.
 
Ich checke uns für € 20,-- ein und dann dürfen wir uns ein Plätzchen aussuchen. Ca. zwei Drittel des Platzes sind wegen dem Hochwasser gesperrt, aber wir finden trotzdem noch ein Fleckchen für uns. Der Platz ist fest in englischer Hand, aber genau neben uns parken ein paar Schweizer ;-)
 

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