Im Südosten Siziliens

Reisebericht von HeikoJT, Reisezeitraum Mai 2008 Durchschnittliche Bewertung report_rating
Verfasst zur Region: Italien  > Sizilien & Liparische Inseln Dieser Reisebericht wurde 3393 Mal angeschaut
 
In Sizilien herrscht die Mafia, sagt man. Sollte dem so sein, der Reisende merkt davon nichts. Was die Sizilianer behaupten, aber wohl nicht stimmt „Wir haben die Mafia von den Griechen geerbt“. Doch bedeutsame Spuren ihrer Kultur haben die Griechen hinterlassen, die neben Phöniziern, Karthagern, Vandalen, Ostgoten, Arabern, ,Normannen, und Spaniern sich der größten Insel des Mittelmeeres bemächtigt hatten. In Syrakus befindet sich das Grab des Archimedes, dem genialen Sohn der Stadt, sowie Reste des Apollontempels aus dem 6.Jahrhundert, und ein imposantes, bestens erhaltenes Theater für 16 000 Zuschauer aus gleicher Zeit, in dem heute antike Tragödien, aber auch moderne Stücke und Konzerte aufgeführt werden.
 
Geprägt wird Syrakus aber durch den Barock, in dem die Stadt nach dem verheerenden Erdbeben von 1693 wieder aufgebaut wurde. Der historische Kern Ortigia war nach dem zweiten Weltkrieg ziemlich verfallen . Heute erstrahlt – nach zwanzigjährigen Sanierungsarbeiten   - ein Großteil der Kirchen und Paläste im alten Glanz. Begibt man sich in die kleinen Seitengassen, sieht man aber auch Wohnhäuser die zu verfallen drohen. Obwohl sie, mit den für den sizilianischen Barock typischen schmiedeeisernen Balkonen, getragen von fröhlichen Putten und Masken, ihren Charme auf den Besucher nicht verfehlen. 2005 erklärte die UNESCO nicht einzelne Bauwerke, sondern die ganze Stadt, zum Weltkulturerbe wegen ihrer einzigartigen Ansammlung bemerkenswerter Zeugnisse der Mittelmeerkulturen über die Jahrtausende. Viel gibt es zu entdecken für den neugierigen Touristen, und erspüren kann er hier das süditalienische Lebensgefühl, am besten abends, wenn sich das elegant gekleidete Volk auf der von großartigen Palazzi und Kirchen umrahmten Piazza Duomo trifft oder an der Seepromenade Foro Vittorio Emanuel II, wo das türkisfarbene Meer Sehnsüchte weckt.
 
Mehr als ein Drittel der Sizilianer lebt in den großen Küstenstädten. Ziemlich dünn besiedelt ist das Innere des Landes. Viele kleine Bauernhäuser sind verlassen. Es gibt noch wenig Tourismus. Der Landflucht durch die Entwicklung des Tourismus entgegen zu wirken hat sich die GAL Hyblon Tukles zum Ziel gemacht. Die GAL (Gruppe lokaler Aktion) ist ein Zusammenschluss privater und öffentlicher Träger (Kommunen, Verbände, wissenschaftliche   und kulturelle Institutionen). Nicht unwesentlich gefördert wird sie durch die EU.
Es werden touristische Zentren eingerichtet, Park- und Rastplätze gebaut, die Infrastruktur verbessert,   Wander- und Mountainbike-Wege angelegt, Bauernhöfe animiert, Gastzimmer einzurichten, Restaurants und Gasthäuser angehalten, ihr Angebot zu verbessern, und Vieles mehr. Das Alles ist im Gange und soll bis in fünf Jahren abgeschlossen sein. Und es lohnt sich. Das Hinterland von Syrakus ist ein Paradies für Individualtouristen auf der Suche nach Authentizität.
 
Ein Highlight der Reise durch das Innere der Provinz von Syracus ist zweifellos der Besuch der Nekropolis von Pantalica in den Bergen von Iblei. Pantalica, im 13. Jahrhundert v.Chr. gegründet, war die Hauptstadt der Sikuler, die neben den Sikanen das erste bekannte auf Sizilien lebende Volk waren. 5000 Grabkammern haben sie und vielleicht auch die Griechen in den Kalkstein gehauen. In frühchristlicher Zeit dienten sie zum Teil zur Behausung oder als Kapellen. Zu nicht wenigen der Höhlen kann man auf ausgeschilderten Pfaden gelangen, die durch ein Meer von Wildkräutern und Wildblumen führen .Landschaftlich großartig ist auch die Cava Grande im Valle dell’Anapo, eine durch den Cassibile tief in den Berg gegrabene Schlucht. Der Fluss bildet kleine Seen und Wasserfälle, am Wegesrand wuchert die Flora, an den Hängen wachsen Büsche und Bäume.. Mit 3000 unterschiedlichen Pflanzenarten ist Sizilien ja die vegetationsreichste Insel des gesamten Mittelmeeres.   Als Reisezeit empfiehlt sich deshalb das Frühjahr. Da grünt und blüht es allenthalben. Mit Ausnahme einiger kargerer Landstriche, in denen man sich im Maghreb wähnt.
 
Und auf der Rundreise durch das Landesinnere kommt man zu romantischen Bergstädtchen, wie Palazzolo Acreide, Cannicatti oder Noto. Letzteres ist besonders sehenswert, ein Juwel des Spätbarock, mit etwas über 20 000 Einwohnern und über 30 Kirchen, eine prächtiger als die andere, erbaut in einem hellen Kalktuffstein, durch den die hoch über einer riesigen Freitreppe thronende Kathedrale so licht erscheint, als wolle sie sich mit dem Himmel vereinen. Caltagirone, arabische Festung aus dem 9.Jh.   ist die Hauptstadt der Töpferkunst. Von hier aus gehen Keramiken in die ganze Welt. Und sie verzieren viele der Gebäude der Stadt, wie auch die 142stufige Freitreppe Santa Maria del Monte   von 1606, die den unteren mit dem oberen Ortsteil verbindet. Geschmückt mit Blumen in leuchtenden Farben, in einem Ensemble barocker Architekturkunst, ist sie einfach ein ästhetischer Genuss. Reizvoll ist der Giardino Pubblico mit seinem künstlichen See und einem maurischen Musikpavillon.
 
Kommt man schließlich nach Castiglione, hat man einen phantastischen Blick auf die sich nördlich des Ätna an den Hang schmiegende   ehemalige Königsstadt der Normannen, in der sich für den Fotografen viele interessante Motive finden. Einen Abstecher sollte man machen zu der unweit der Stadt gelegenen Kirchenruine Santa Domenico aus byzantinischer Zeit. In ihrem Innern fasziniert das Spiel von Licht und Schatten. Sie liegt am durch die Steine hüpfenden Flüsschen Alcantara, das dem Reisenden eine willkommene Erfrischung bietet. Bevor er sich vielleicht den allgegenwärtigen Ätna einmal aus der Nähe   anschaut. Das sollte man auf jeden Fall tun. Oft kann man ja nicht weit hinauf, da der über 3000 m hohe Vulkan ständig aktiv ist. Er ist gefährlich, weil Ausbrüche nicht nur im Gipfelbereich auftreten, sondern häufig in längs verlaufenden Eruptionsspalten. Aber ein Erlebnis ist er allemal. Die Landschaft des Gebirgsstocks ist durch die verwitterte Lava äußerst fruchtbar. Der untere Bereich ist kultiviert mit Zitrusfrüchten, Oliven, Wein, Feigen und Pistazien. Etwas oberhalb, wo die Natur immer noch mit unglaublicher Üppigkeit verblüfft, blüht überall der Ginster. Darüber, bis in 2000 m Höhe, erstreckt sich eine Waldzone mit Laubbäumen und Koniferen. Hier sieht man von   Lava verwüstete bizarre   Landschaften mit umgeknickten Bäumen oder solchen, die ihre nackten Äste klagend in den staub- und schwefelgeschwängerten Himmel recken.
 
Krönender Abschluss einer Reise nach Sizilien kann ein Tag in Catania sein, der schwarzen Stadt. Sie wird so genannt, weil für viele Gebäude Lavastein als Baumaterial verwendet wurde. Die Altstadt zählt mit den anderen acht Spätbarockstädten im Val di Noto zum Weltkulturerbe. Mittelpunkt der lebendigen Metropole ist der Domplatz mit dem Elefantenbrunnen, dem Wahrzeichen der Stadt. Und hier im Angesicht der Kathedrale und prächtiger Paläste pulsiert das Leben, hier begegnen sich Einheimische und Touristen. Hier sitzen die alten Männer und schauen in den Himmel ob der Ätna wieder spuckt. Die Pescheria, der angrenzende Fischmarkt,   vermittelt südländisches Flair und das heiße Temperament der Sizilianer. Wenn der Händler vom riesigen Schwertfisch ein Stück abschneidet und es versteigert, wird es schon mal hitzig.
 
Sizilien ist wie seine Menschen: Leidenschaftlich und reizend zugleich. Und wenn es nach Silvio Berlusconi geht, dann kann man dereinst (2016) auf der höchsten und längsten Hängebrücke der Welt über die Straße von Messina fahren. So lange sollte man aber nicht warten, denn bis dahin haben vielleicht zu viele Touristen die Schönheiten der von der Sonne verwöhnten Insel entdeckt.
 

Bewertungen und Kommentare


08.01.2010
Bei dem Bericht habe ich immerhin Lust bekommen, in nicht allzu weiter Zukunft auch mal Sizilien zu erleben. Liebe Grüße - Thomas report_rating
 
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