Yukon: Bärwatch am Straßenrand

Reisebericht von orlova, Reisezeitraum Juli 2008 nicht bewertet report_rating
Verfasst zur Region: Kanada Dieser Reisebericht wurde 3763 Mal angeschaut
 
Menschenleer und endlos weit: Wer die Zivilisation hinter sich lassen will, ist in Kanadas Provinz Yukon richtig. Zeit, Geduld und Geld sollte man allerdings mitbringen.

Die Straße gehört dem Grizzly. Unser Auto stört ihn nicht. Der mächtige Bär steht auf dem gelben Mittelstreifen und schaut unseren Wagen eher gelangweilt an. Ganz anders als wir. Langsam kurbeln wir die Fenster herunter und stecken die Kameras vorsichtig raus. Der Grizzly ist keine zehn Meter weg.

Niemals aussteigen, lautet Regel Nummer 1, bleut uns Reiseführerin Sheila ein. Grizzlys können bis zu 40 Stundenkilometer schnell rennen. Und wenn sie sich aufstellen, möchte man dem zweieinhalb Meter großen und mehrere hundert Kilo schweren Bären nicht zwischen die Klauen geraten.

Unser Prachtexemplar begnügt sich allerdings mit Blumenpflücken am Straßenrand. Der Grizzly läuft mal nach rechts die Böschung hinunter, kommt zurück und nimmt einen Happen Löwenzahn auf der anderen Straßenseite. Wir folgen ihm im Schritttempo und begleiten den Grizzly in der Abendsonne fast eine Stunde lang, bevor er im Gestrüpp verschwindet.

Der Yukon ist die Heimat von Grizzlys und Elchen
Bärwatching ist Volkssport hier oben im Norden Kanadas. In der Provinz Yukon sind die meisten Bären des Landes zu Hause. Die Ranger haben mehr als 6.000 gezählt. Dazu über 50.000 Elche. Der Yukon gilt als eines der letzten Abenteuer in Kanada, Natur und Wildnis pur.

Im Yukon leben gerade mal 30.000 Menschen, davon allein 23.000 in der Hauptstadt Whitehorse. Der Rest der Provinz ist weitgehend unbewohnt, fast eine halbe Million Quadratkilometer. Schneebedeckte Berge, leuchtende Wälder und glitzernde Seen bestimmen das Bild.

Die meisten Urlauber beginnen ihre Tour in Whitehorse
Whitehorse ist für die meisten Touristen die erste Station im Yukon. Hier übernehmen viele ihr Wohnmobil oder ihren Mietwagen. Es macht Sinn, zwei Tage zu investieren, nicht nur für den Großeinkauf. 

Mehrere Museen und ein Schaufelraddampfer erzählen die Geschichte der Stadt. Engagierte Einwohner laden zu kostenlosen Wanderungen in die Umgebung ein. Eine gute Gelegenheit, sich zu aklimatisieren und mit den Eigenarten der Kultur zu beschäftigen.

Etwa mit der Speisekarte im Restaurant des High Country Inn. „Bison Meat Ball Slicker“, „Espresso Grilled Elk Striploin“ und „Caribou Chorizu Fettucini“ stehen da als Hauptgang zur Wahl. Ein für umgerechnet 15 Euro vergleichsweise günstiger kulinarischer Vorgeschmack auf den Yukon. Einige Zimmer im High Country Inn überraschen ebenfalls. Mitten drin steht ein großer Whirlpool fürs Blubberbad zu zweit.

Whitehorse ist auch der richtige Ort, sich zu Hause abzumelden. Öffentliche Telefone außerhalb der Hauptstadt sind rar und der Yukon ist Handy-freies Gebiet. Selbst in größeren Ortschaften gibt es kein Netz, mit dem europäische Handys arbeiten könnten.

Der Sommer im Yukon dauert nur drei Monate
Erstaunlich viele Deutsche begegnen einem im Yukon. Das mag an Condor liegen, die im Sommer nonstop von Frankfurt nach Whitehorse, die Hauptstadt des Yukon, fliegt. Allerdings bringt der Ferienflieger nur rund ein Drittel aller deutschen Besucher in die nordwestliche Ecke Kanadas. Die Tourismusorganisation zählt jedes Jahr über 12.000 Deutsche.

Dabei ist die Saison extrem kurz. Gerade drei Monate lang lässt sich der Yukon einfach bereisen. Dann ist es 20 Stunden hell und oft erstaunlich warm. 25 Grad sind keine Seltenheit. T-Shirts und Sonnencreme gehören auf jeden Fall in den Koffer, genauso wie Sprays oder Cremes gegen Mücken.

Im Winter ist es nicht nur kalt, sondern eben auch dunkel. Sechs Stunden Tageslicht laden nicht gerade zu Rundreisen ein. Zudem ist dann ein großer Teil der Häuser vernagelt. Vereinzelt kommen dennoch Touristen, um Ausschau nach Nordlichtern zu halten. Im Sommer ist es dafür zu hell.

Schweizer Gastlichkeit in Haines Junction
Einheimische, die es sich leisten können, überwintern im warmen Süden. Zum Beispiel Hardy und Trix Ruf. Die Vornamen stehen für Erhard und Beatrix. Die beiden sind vor 20 Jahren aus der Schweiz ausgewandert.

Es war der Lachs, der Hardy hierher trieb, sagt der begeisterte Angler. Alleine acht verschiedene Lachsarten beißen hier an, dazu ein Dutzend Süßwasserfische in den unzähligen Seen.

Die Rufs betreiben die Dalton Trail Lodge, rund 40 Kilometer südlich von Haines Junction. Schweizer Gastlichkeit mitten in der Wildnis. Gemütliche Zimmer mit Bad, Käse und Wurst, frisch gebackenes Brot und duftender Kaffee zum Frühstück. Abends landet der frische Fang des Tages auf dem Teller. Den Winter verbringen die Rufs dann im kalifornischen Palm Springs.

Abstecher nach Skagway in Alaska
Das urbane Leben im Yukon ist recht überschaubar. Es gibt Nester wie Carcross, die man nicht wirklich gesehen haben muss, aber sie liegen halt auf dem Weg. Der Name steht für Caribou Crossing und hat nichts mit Autos zu tun. Ein paar versprengte Häuser, der älteste General Store im Yukon, keine 400 Einwohner. Eine davon ist Dagmar aus Deutschland, die die Liebe vor 30 Jahren hierher verschlagen hat. Sie arbeitet im Visitor Center und wartet auf den Zug.

Carcross ist Endstation der White Pass Railway. Zwei Dieselloks schleppen die restaurierten Waggons aus der Goldgräberzeit von Skagway am Meer in Alaska über den 1.000 Meter hohen White Pass 100 Kilometer weit bis zur Endstation Carcross. Nach einem kurzen Stopp geht es dann denselben Weg wieder hinunter nach Alaska.

Skagway ist im Grunde eine Geisterstadt. Auf ihrer Fahrt durch die Inside-Passage gehen die großen Kreuzfahrtschiffe in Skagway vor Anker und hauchen dem Nest für wenige Stunden Leben ein. Wie Ameisen strömen dann die meist amerikanischen Passagiere die Gangways hinunter, schnurstracks auf ein paar Dutzend Souvenir-Shops zu. Einige buchen den Ausflug mit der Eisenbahn und verirren sich nach Carcross.

Man kann mit dem Zug auch von Carcross aus starten. Die Tour ist aber nur echten Eisenbahnfans zu empfehlen. Der Tagesausflug inklusive der Busfahrt zurück kostet umgerechnet rund 200 Euro. Für einige wenige spektakuläre Ausblicke ein bisschen viel.

Nervend obendrein die Einreisebürokratie der Amerikaner. Skagway ist Alaska und damit USA. In einem Container gleich neben den Gleisen erwartet einem das volle Programm: Passkontrolle, Einreiseformulare, Fingerabdrücke, Fotoshooting.

Gletscherflüge über das größte Eisfeld der Erde
Zeit und Geld sind besser in Rundflügen über die faszinierende Gletscherlandschaft des Kluane Nationalparks angelegt, die man nur aus der Luft sehen kann. Kluane ist ein Teil des größten Weltkulturerbes der Unesco. Zusammen mit dem Glacier Nationalpark und dem Wrangell Nationalpark in Alaska bildet Kluane das größte zusammenhängende nichtpolare Eisfeld der Erde.

Allein der Lowell Gletscher ist 70 Kilometer lang. An seinem Ende brechen 30 Meter hohe Eisbrocken in den Alsek River. Millionen Tonnen Geröll geben Lowell Gletscher und den anderen die dunklen Streifen. Das Eis ist teilweise eineinhalb Kilometer dick. Dahinter thront der Mount Logan, mit knapp 6.000 Metern der höchste Berg Kanadas.

Selbst wenn Wolken Mount Logan verdecken, lohnt sich der Rundflug mit der kleinen Cessna. Die mit 40 Minuten kürzeste Tour ab Haines Junction kostet 115 kanadische Dollar. Spektakulärer ist freilich der eineinhalb Stunden Flug für 250 Dollar. Wer es sich leisten kann, chartert den gelben Flieger von Sifton Air individuell.

Käfer fressen den Wald im Kluane Nationalpark
Schockierend deutlich ist das Waldsterben aus der Luft. 80 Prozent der Bäume im Kluane Nationalpark sind grau und tot. Schuld ist ein Käfer, dem Borkenkäfer bei uns ähnlich. Er frisst sich durch Wurzeln und Stamm und lässt einen vertrockneten Baum zurück.

Die Kanadier nehmen die Plage einstweilen hin und forschen nach den Ursachen. Eine Erklärung ist der Klimawandel. Es war schon lange nicht mehr richtig kalt im Winter, das heißt unter minus 40 Grad. Solche Temperaturen würden auch die Käfer nicht überleben.

Das Visitor Center Haines Junction macht fit für Kluane
Ausgangspunkt für Exkursionen in den Kluane Nationalpark ist Haines Junction. Die 800-Seelen-Gemeinde macht zwar nicht viel mehr her als eine Straßenkreuzung. Der Stopp im Visitor Center ist allerdings ein Muss. Hier bekommen Urlauber einen guten Überblick über die Gegend, kompetent und freundlich vorgetragen von Angestellten und freiwilligen Guides.

Wichtige Broschüren gibt es auch in deutscher Sprache. Etwa "Die Wildnis des Yukon" mit vielen praktischen Tipps fürs Camping oder wie man sich verhält, wenn ein Bär den Weg kreuzt. Immerhin haben die Ranger im Park mehr als 400 gezählt. Wie die meisten Hefte, ist auch diese Broschüre kostenlos. Daneben gibt es Infos über Wanderwege im Nationalpark.

Rafting auf zwei Grad kaltem Gletscherwasser
Rafting ist eine andere Art, den Kluane Nationalpark zu entdecken, allerdings nicht jedermanns Sache. Das Wasser ist ziemlich kalt, der Tatshenshini River etwa hat nur wenige Grad über Null. Die Stromschnellen auf der 25 Kilometer langen Flussfahrt werfen das Boot zwar nicht um, nass wird man trotzdem.

Deshalb beginnt der Ganztages-Ausflug mit Umziehen. Etwas mühsam schlüpfen die Rafter in Neoprenanzüge. Lange Unterwäsche und dicke Wollsocken sind ein Muss. Baumwolle ist nicht angesagt, denn einmal feucht wird es darin ziemlich kalt.

Mit etwas Glück sieht man Bären oder Elche am Ufer. Adler beobachten die Rafter aus der Luft, ein Stachelschwein versteckt sich im Baum. Insgesamt vier Stunden auf dem Wasser, dazu eine Stunde Mittagspause in der Schlucht – da sehnt man sich nach einer heißen Dusche und trockenen Kleidern. Auch dieser Ausflug kostet rund 100 Dollar.

Hartgesottene buchen die Zehn-Tages-Tour mit Übernachtung im Zelt, die quer durch den Nationalpark führt bis zur Mündung des Tatshenshini im Meer.

Steigende Benzinpreise machen den niedrigen Dollar wett
Ein Kanada-Trip auf eigene Faust geht ins Geld. Abgesehen von den Ausflügen und der Miete für ein Wohnmobil oder Auto schlagen die Spritkosten vor Ort immer heftiger zu Buche. Benzin und Diesel sind innerhalb von nur sechs Monaten um die Hälfte teurer geworden.

Ein Liter Diesel kostet im Yukon schon mal 1,60 Dollar, also umgerechnet einen Euro. Für deutsche Verhältnisse zwar immer noch günstig, aber die meisten Wohnmobile schlucken 15 bis 20 Liter auf 100 Kilometer und die Strecken sind lang. 3.000 Kilometer auf Achse sind für Kanada-Urlauber eher die Regel als die Ausnahme. Da sind 500 Euro nur für Benzin schnell weg.

Rein aus Kostengründen macht ein Wohnmobil deshalb keinen Sinn. Mit einem sparsamen Kleinwagen und Bed & Breakfast fährt man im Zweifel insgesamt günstiger. 

Die Fotostrecke findet ihr unter http://www.gloobi.de/de/Nordamerika-6.html


 

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