"Dodos La Palma", Teil 3/8 (29.06.2007)

Reisebericht von dodo13, Reisezeitraum Juni 2007 nicht bewertet report_rating
Verfasst zur Region: Spanien  > La Palma Dieser Reisebericht wurde 2814 Mal angeschaut
 

Freitag, 29.06.2007

 

"Buenos dias, Tigerchen, hast Du gut geschlafen?"
...oh man, das war schon wieder erst halb 9, Gestern waren wir so früh los gekommen, dass der Nachmittag doch etwas lang wurde und ich nicht recht wusste, wie ich den restlichen Tag umkriegen sollte – wenn das heute wieder so würde... oh jeh... ...alleine geht halt doch alles viel schneller, als wenn man gemeinschaftlich unterwegs ist...

"Aber Tigerchen, wollten wir heute nicht die Nordtour machen? Über den Nordwesten hoch bis zum Roque de los Muchachos und auch wieder die 12km-Straße runter bis zur LP 1 und über die obere Straße nach Barlovento, weiter über den Nordosten, San Andrès y Sauces und Santa Cruz zurück nach Hause... – hey... Tanken und los geht’s – nach dem Frühstück natürlich... Das ist eine lange Strecke. ...komm, ich setze Dich erst mal wieder auf den Balkon, dann kannst Du auf’s Meer gucken und frische Meerluft schnuppern, während ich die Eier koche..."

Halb 10 saßen wir im Auto abfahrbereit...
 
Kurz hinter unserem gut bekannten Restaurant "Mariposa" ("Schmetterling") lag die Versuchung nahe, in Richtung Tazacorte abzubiegen – Seitenstraßen sind doch was schönes – aber in Anbetracht der langen Strecke vor uns und einer Tankstelle in La Laguna, blieben wir dann doch auf der Hauptstraße... Von La Laguna ging’s weiter nach Los Llanos...

"Hey, Tigerchen, die haben hier einen riesigen Kreisverkehr gebaut – in der Zeit zwischen April und jetzt – was wollen die denn damit?"

In Los Llanos erwartete uns aber wieder die altbekannte, chaotische Verkehrsführung – zweispurig und zwischenzeitlich kurzentschlossen abbiegend ohne große Ankündigung vorher...

"Na, gut, dass wir uns hier auskennen und wissen, wann wir auf die rechte und wann auf die linke Spur müssen, was?! ...klasse..."

Und schon ging’s runter in den Barranco de las Angustìas ("Schlucht der Ängste") mit Blick in die Caldera – gigantisch, wahnsinn, traumhaft...

"Tigerchen, wir sind wirklich hier!!! Oh, is‘ das schön... ich freue mich so!!!"

Fotos über Fotos – einfach während der Fahrt – wird schon irgendwie was werden... "Hauptsache wir haben Fotos, stimmt’s Tigerchen?! Wir brauchen Beweise für uns selber, dass wir hier waren..., dass wir das wirklich wahr gemacht haben und alleine geflogen sind..."
 

Und kurz vor unserer Nase tauchte auch schon die tolle Kirche im Barranco de las Angustìas auf – sieht für mich immer wieder wie eine Klosterkirche aus – keine Ahnung warum, aber so stelle ich mir eigentlich Klosterkirchen vor... :)

"Na, aber ein Foto machen wir ein anders Mal davon, ich war mal wieder zu schnell, Tigerchen..."

Die Talsohle, das Flussbett des Barranco war erreicht und die Straße wand sich wieder in unzähligen Kurven auf der anderen Schluchtseite den Berg hinauf – bis zum Mirador del Time. Hier war wieder ein Fotostopp angesagt – einen Videoschwenk konnte ich mir auch nicht verkneifen.

"Ach, es ist einfach nur schön, Tigerchen..."
Das war das erste Mal, dass Tigerchen und ich gemeinsam schwiegen und genossen... Für mich wurde Tigerchen immer lebendiger in diesen Tagen – so doof das klingen mag, aber es war mein Reisegefährte und Gesprächspartner – eine vollständige "Erimitage" wollte ich dann doch nicht haben...
 
Die Straße führte durch sonnige Barrancos und bunte Streusiedlungen über Tijarafe und Puntagorda in Richtung Norden. Es war ein wunderschöner Tag für den Roque de los Muchachos... Die kleine Zubringerstraße war bald erreicht und wir wanden uns die steilen Nordwest-Hänge der Caldera hoch. Noch ging es durch Pinienwald, bald aber kamen wir in die Höhenlagen oberhalb der Baumgrenze, in denen nur noch Gräser und Büsche wachsen. Schon im April hatte ich gesehen, dass weite Flächen des Ginsters einem Wald- und Buschbrand zum Opfer gefallen waren. Um so größer war meine Neugier, ob die "hohen Matten" denn wieder in einem gelben Farben- und Duftmeer versinken würden. Der Ginster müsste jetzt eigentlich blühen... Oh wie traurig sahen die verbrannten Büsche aus... Aber fast an den Observatorios Astrofisico angelangt, wandelte sich die triste Brandfläche in ein farbenprächtiges, gelbes Meer mit betörendem Duft...

"Ja, Tigerchen, is‘ das nicht‘ klasse?! So kenne ich es, von damals, als ich mit Tante Gabriele hier war. *wow* das riecht aber toll, nur fliegen ist schöner – in dieser Einsamkeit die Pflanze für Fröhlichkeit und Freude, nach Herrn Bach und seinen Blüten... einfach toll, ein Schauspiel, die Natur ist wirklich wahnsinnig klasse – auch hier alles was man benötigt..."
 

Am höchsten Punkt angelangt – auf 2426m ü. N.N. – war die Aussicht überwältigend. ...eigentlich ist sie das immer, immer wieder auf‘s Neue und immer wieder anders.... Eine dicke Wolkenfläche lag wie ein Kissen von beiden Seiten um die Cumbre Vieja. Dafür kamen die Passatwolken von Osten nicht über die Cumbre Nueva hinüber – daher blieb das weite Aridane-Tal mit den Orten El Paso und Los Llanos wolkenfrei. Sonne fiel in die tiefen Täler und Schluchten der Caldera de Taburiente... Weiter hinten am Horizont erschien der Pico del Teide, Spaniens höchster Berg, "DER Berg" von Teneriffa. La Gomera und El Hierro waren nur sehr schwach zu sehen – sie kamen nicht weit über die Passatwolkendecke hinaus. Unwillkürlich schweifte mein Blick in Richtung Cumbre Vieja und ich ertappte mich bei der aussichtslosen Suche nach unserem Wanderweg, der Ruta de los Volcanes, die auf diese Entfernung absolut nicht zu erkennen ist. Tigerchen und ich wanderten bis an den vordersten Rand des Roque de los Muchachos. Dort fanden wir einen gemütlichen Stein in der Sonne, von dem aus wir über 1 Stunde stumm die Gegend betrachteten und einfach nur genossen. In dieser Zeit kamen viele neugierige Wanderer und Urlauber bis auf "unsere" Spitze gewandert, aber keiner nahm sich die Zeit, stumm zu genießen und fühlen... Die Insel, der Atlantik, die Welt fühlt sich so schön an – es tut so gut – das geht leider an dem Meisten unbemerkt vorbei.
 
Direkt neben unserem Auto stand eine Info-Tafel, auf der wir erfuhren, dass man seit 1998 (das Jahr, in dem ich zum ersten Mal auf La Palma war) begonnen hat, die einheimischen, vom Aussterben bedrohten Pflanzen, wieder anzusiedeln und aufzubauen... Man begann damals mit 6 Sträuchern Ginster... Wie viel wurde seither geschafft, dass die gesamten Hänge der Roque wieder gelb blühen – und wie große ist dementsprechend der Rückschritt durch den Buschbrand!!!

"Tigerchen, was meinst Du, es ist schon nach 1 Uhr, sollen wir langsam mal weiter fahren?"
Wir machten uns nach einem kurzen Mittagessen (Würstchen über die Hand) – das wir im Auto knabberten – auf den Rückweg vom Roque. Auf der kurvigen Strecke bis zur Hauptstraße kamen uns mehrere Radfahrer entgegen. Beide waren wir der Meinung, das können nur welche sein, die ein klein wenig "neben sich laufen" ;) ...so ähnlich wie wir, die wir uns miteinander stumm unterhalten... ein Kuscheltier und ein Mensch... ;)
An der Kreuzung zur LP 1 angelangt, bogen wir rechts in Richtung Garafìa, Franceses und Barlovento ab. Der Weg führte uns durch "Gespensterwald", in dem die Passatwolken tief hingen und ein seltsames Licht warfen. Und dann kam sie, die Gabelung zwischen Barlovento und Franceses...

"Typisch, wie immer, Tigerchen, ich weiß wieder nicht, welches die obere, die mittlere oder untere Straße ist... Ich glaube, wir müssen hier rechts hoch, ...ich drehe mal..."

Und schon ging’s den Berg hinauf. Die Straße verengte sich auf eine Fahrspur, die Wolken hingen tief in den Barrancos und die Kurven waren mehr als unübersichtlich. Von Ferne hörte ich in den Bergen das Gehupe der entgegenkommenden Autos, die sich vor scharfen und gefährlichen Kurven für Gegenverkehr ankündigten. Maximalgeschwindigkeit war hier 30km/h – so schrieben es die Verkehrsschilder vor. LKW’s über 5,5t waren hier verboten. Der Weg führte durch weite Flächen von Baumheide, atemberaubende Aussichten in die Abgründe der Barrancos boten sich uns. Ich genoss es, hier Auto zu fahren, obwohl ich bemerkte, dass sich Schwielen an den Händen ankündigten :)

"Oh, klasse, Tigerchen, ...is‘ das nicht‘ klasse?! Es ist sooooo schön, hier zu sein. Gefällt’s Dir auch so gut?"

Die besondere Herausforderung war es, während der Fahrt auf dieser schmalen Straße, bei Gegenverkehr trotzdem noch gute Fotos zu machen und alles für zu Hause zu dokumentieren... Aber wo ein Wille ist, ist auch ein ... Gebüsch, mist, ein Gebüsch fotografiert, der Abgrund war einen halben Meter vorher im Sucher zu kriegen... *grmpf*
Einige Fotostopps folgten und schon waren wir in Barlovento... in dichten Wolken, so, wie ich Barlovento kenne. Nicht umsonst heißt der Ort "im Wind / dem Wind zugewandt" und bekommt in 800m Höhe die gesamte Breitseite der Passatwolken aus Nordost ab...
Kurz darauf bogen wir auch schon in Los Sauces in Richtung San Andrès und Punta Espìndola ab. Schon vor Wochen hatte ich mir vorgenommen, einmal in San Andrès zu stehen... Irgendwann nach endlosen Serpentimen stand ich dort auch... an einer Kreuzung, im Auto sitzend... und bog direkt ab, weiter zu den Meerwasser-Naturschwimmbecken von Charco Azul kurz vor Punta Espìndola. Die Brandung war gigantisch und ich genoss die Zeit an der Brüstung, ein Foto folgte dem nächsten und ich konnte kaum genug kriegen davon. Wie gut, dass ich mir letztes Jahr die Digitalkamera zugelegt habe... Da macht es auch nichts aus, wenn ich 3000 Fotos in einer Woche verschieße... Das kostet mich keinen müden Cent... Ich fuhr einen kurzen Abstecher zum kleinen Hafen von Espìndola – idyllisch und gemütlich – richtig was für "Papas Tochter". Und schon ging es weiter, durch San Andrès zurück auf die LP 1 Richtung Santa Cruz und Los Cancajos, hoch auf den Mirador de Los Cancajos (auf dem ich das erste Mal in all den Jahren anhielt und die Aussicht genoss) und weiter über die Hauptstraße (LP 3) bis der Abzweig für die "Inselkenner" nach San Pedro kam...

"Hey, Tigerchen, hier kenn‘ ich mich aus... Da bin ich früher schon hergefahren... is’ne Abkürzung, steil den Berg rauf... die fahren wir jetzt und dann fahren wir über die Pass-Straße und das Refugio El Pilar auf die Westseite zurück..."
 

Und schon waren wir auf der steilen, gerade den Berg hochführenden Seitenstraße nach San Pedro... Eine echte Abkürzung! Dann links und der Straße nach Mazo folgen... kurze Zeit später rechts hoch nach San Isidro und zur Pass-Straße... und... ...hinein in die Wolken...
Es ist einfach ein Schauspiel... Man denkt, die Welt geht unter, weil kaum noch die Hand vor Augen zu sehen ist und die Sonne irgendwo anders auf der Welt sein muss, nur nicht hier auf La Palma... Man gelangt über den Bergrücken, der Nebel und die Wolken lösen sich von einer auf die andere Sekunde auf und man steht im strahlendsten Sonnenschein... die bedrückende Dunkelheit von eben einfach vergessen...
So war es auch heute wieder. Ich ertappe mich jedes mal dabei, dass ich daran zweifle, dass es wieder so sein wird – und dieses mal erzählte ich es auch ganz stolz Tigerchen...

"Du brauchst keine Angst zu haben, gleich sind wir auf El Pilar, dann sind die Wolken weg und wir haben strahlenden Sonnenschein –das ist hier so. Das ist immer so bis auf wenige Tage im Jahr."
 

Von der westlichen Abfahrt aus konnten wir wieder die Wolkenfälle auf der Cumbre Nueva beobachten. Die Passatwolken schieben sich von Nordosten solange an den Hängen hinauf, bis sie wie ein riesiger Wasserfall über den Kamm der niedrigeren Cumbre Nueva fallen und sich in Nichts auflösen...
Als die kleine Kapelle der Virgen del Pino in Sicht kam, winkte ich kurz rüber...

"Tigerchen, da fahren wir auch nochmal irgend einen Tag hin, da stecken wir dann auch für Mutti, Vati, Tante Gabriele und uns eine Kerze an – auch wenn wir nicht katholisch sind... ...das verbindet irgendwie."
 

Zurück in Puerto Naos traf ich die Entscheidung, einen der Kioskos auf der Promenade zum Abendessen auszutesten – zumal ich noch immer nicht die Treppe neben dem Haus getestet hatte, die mich in wenigen Schritten zum Strand und der Promenade bringen sollte...

"Noch immer nicht und schon 2 Tage hier... Tigerchen, das geht so nicht, wir laufen da jetzt mal runter..."

Die Treppe hielt, was die Wegbeschreibungen versprachen – keine 50 Meter und ich stand am Strand und der Promenade. "La Roca" hieß die heutige Wahl der Lokalität. Die Speisekarte war vollgestopft mit leckeren Angeboten... Pollo, Hähnchen, jou... das war’s für heute, Pollo con irgendwas mit Naranja... wahrscheinlich mit Orangensoße oder so was ähnliches... Der Kellner, ein ziemlich junges Kerlchen, sprach weder englisch noch deutsch und ergoss einen Redeschwall über mich, der mir irgendwie spanisch vorkam und nur sagte, dass wohl kein Orangenhähnchen da wäre... aber paniertes Hähnchenfilet...
 
Okay, dann eben das... "Y bebèr?" "...äh... si, Agua sin gas, por favor." Ich bekam alles ziemlich schnell geliefert, aß und konnte es nicht erwarten aus diesem Kiosko zu verschwinden. Fühlte mich einfach unbehaglich und von allen Seiten begafft... Tigerchen im Rucksack auf dem Rücken machte ich mich weiter, schlenderte über die Promenade, in einen Supermercado zum Eiskaufen und über den Strand nach Hause zurück... Dafür wurde es nun aber auch Zeit, schließlich ging es in Deutschland schon auf 9Uhr abends zu und ich wollte doch noch den täglichen Statusbericht "usted escuchar el Radio de las Islas Canarias, especial de La Palma" in Wuppertal und Burghaun abgeben... Jedes Mal, wenn ich diesen, meinen Musterspruch auf den Anrufbeantworter von Tante Gabriele sprechen wollte, war sie selber am Telefon und brachte mich damit dermaßen aus der Fassung, dass ich höchstens ein begrüßendes "Holà" oder "que tal" los wurde...
 
Stundenlang saßen Tigerchen und ich wieder auf der Terrasse und warteten auf die "absolut perfekte Welle", die mit Sicherheit gleich kommen würde und höher und schöner als alle bisher gesehenen und fotografierten wäre. Es war wie eine Sucht. Gegen 11 Uhr gingen wir erst zu Bett. Der Tag war verflogen ohne einen Gedanken an Langeweile oder "was soll ich alleine anfangen" zu verschwenden.
"Ach, Tigerchen, is‘ das nich‘ klasse?! Es war soooo schön, ich habe keine Angst mehr davor, alleine hier zu sein und nichts mit der Zeit und mir anzufangen zu wissen. Gute Nacht, schlaf schön. Was hältst Du davon, wenn wir Morgen mal in El Paso gucken und nach La Fajana y El Cementerio wandern. Dort sollen so superschöne, besondere Petroglyphen sein. Das ‚museo de la seda‘ hat ja leider erst wieder Montag auf, da gehen wir dann Montag auch direkt hin. Aber dann fahren wir Morgen am späteren Vormittag nach El Paso und nachmittags nach Mazo zum Mercadillo. Schlaf schön."
 

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Bitte beachten Sie: die Reisen wurden letztmals am 25.09.2017 - 04:40 Uhr aktualisiert. Alle Preise sind "ab"-Preise, d.h. je nach Verfügbarkeit kann sich der Preis kurzfristig ändern. Aktuelle Sucheinstellung: , früheste Abreise 25.09.17, späteste Rückreise 25.09.17
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