"Dodos La Palma", Teil 7/8 (03.07.2007)

Reisebericht von dodo13, Reisezeitraum Juni 2007 nicht bewertet report_rating
Verfasst zur Region: Spanien  > La Palma Dieser Reisebericht wurde 2602 Mal angeschaut
 

Dienstag, 03.07.2007

 

"Wie,... erst kurz nach 7 morgens??? Aber eigentlich egal... Wenn ich schon auf’s Klo muss und wach bin, dann brauche ich auch nicht länger im Bett zu wälzen, sondern kann schon mal die Sachen für den Koffer und das Handgepäck vorsortieren und alles, was ich nicht mehr brauche in den Koffer packen... Tigerchen, danach gehen wir zu Spar und holen eine Flasche Tamanca-Weißwein... und dann geht’s los..."

So begann unser letzter Tag auf La Palma... Der letzte Tag... der Gedanke daran machte mir arge Magenschmerzen... Es tat richtig weh an den Abschied zu denken... Ich hätte heulen können... Ich war doch gerade erst angekommen... Warum ist La Palma nur so weit weg... Obwohl diese "Weite" mehr in den Finanzen besteht, als in den Kilometern, denn ein 4,5-stündiger Flug ist nun nichts, was "aus der Welt" bedeuten würde... Trotzdem schmerzt der Abschied sehr...
Um kurz nach 9 standen wir im Spar und hatten bereits die Flasche Wein im Korb liegen und zusätzlich noch leckere dunkle Schokolade mit Mandeln... Für die Daheimgebliebenen eine kleine Entschädigung... Nach einem netten Schwatz mit Frau Elvers bei Tamanca fuhren wir in Richtung Virgen del Pino... Dieses Mal entschied ich mich aber kurz vor dem Abzweig zu der kleinen Kapelle am Fuße der Cumbre Nueva, doch gerade aus zur Cumbrecita zu fahren... Im Morgenlicht hatte ich die Cumbrecita noch nie gesehen... Die Sonne kam gerade erst über die Bergrücken der Cumbres hinüber und vieles lag noch im morgendlichen Schatten... In den ersten Sonnenstrahlen frühstückte ich auf der Cumbrecita ein trockenes, frisches Brötchen... Wenn ich mich recht entsinne, stand im Laden ein Schildchen "pan con ajio"... und so schmeckte es auch irgendwie... frisch eingerieben mit Knoblauch...

"Mensch, Tigerchen, ich muss ja eine Knoblaufwolke um mich herum haben, nach allem, was in den vergangenen Tagen mit Knoblauch angerichtet war... puuuh... Da muss ich heute Abend aber aufpassen, was ich esse, damit ich Morgen im Flugzeug nicht zu sehr stinke... was?! Ach, is‘ das nich‘ schön hier? Es ist so wunderschön hier... Und heute ist unser letzter Tag..."
 

Nun gut, diesen Tag galt es zu nutzen. Wir fuhren also zu nuestra Virgen del Pino. Heute waren wir wirklich ganz alleine in der kleinen Kapelle – ohne jegliche anderen Personen. Die Arbeiter waren in den Hängen um die Kapelle beschäftigt und somit war eine herrliche Ruhe in der Virgen del Pino...
Ich kramte meine letzten Cents zusammen, um 3 Kerzen anzünden zu können und wir nahmen uns die Zeit für eine kleine meditative Phase in der ersten Bank vor dem Altar.

"Sieht sie nicht wunderschön aus? So gütig... Ich habe noch nie eine solch gütig dreinguckende Madonna gesehen..."

Dann mussten wir auch schon weiter... Schließlich hatten wir volles Tagesprogramm. Auf dem Kapellen-Vorplatz taten sich wunderschöne Ausblicke durch die Wolkenfälle der Cumbre Nueva auf das Aridane-Tal auf... Zeit für Fotos...

"Aber Moment, was ist denn dort drüben, Tigerchen, das sieht ja aus wie eine Pyramide... Ich weiß, dass es sowohl auf der Ost- als auch der Westseite je eine Pyramide aus Benahoaritas-Zeit gibt. Die auf der Ostseite kennen wir ja nun schon seit Jahren, obwohl wir noch nie dort waren... aber die auf der Westseite habe ich bisher noch nicht gefunden... könnte das die dort drüben sein?"

Auch das Heran-Zoomen mit der Kamera brachte keinen eindeutigen Aufschluss... also war die Entscheidung einfach, dem betonierten Feldweg dort hin zu folgen... Ganz direkt heran kam ich nicht, aber wir fuhren im wahrsten Sinne des Wortes "durch die Pampas", was aber unheimlichen Spaß machte – hier kamen die Wolken herunter, dort war ein Wolkenloch, da hinten konnte man die Kapelle am Hang sehen und ... ach, da lukt ein Teil der vermeindlichen Pyramide heraus...

"Is‘ das nicht‘ klasse? Tigerchen, es ist soooo toll hier!!!"
 

Und getreu dem Motto "keinen Weg 2 mal" verstand es sich von selbst und war eine Sache der Ehre, den Wegen durch die Felder zu folgen, da sie ja auch irgendwo herauskommen mussten... so war es auch... ich landete direkt auf der Zufahrt zum Tunèl de la Cumbre Richtung Osten... Dort wollte ich ja sowieso hin... Also war das alles perfekt geführt... Ich fuhr zum Flughafen, bekam natürlich keine klare Auskunft über Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit meines Abflugplans, fand mich aber direkt wieder im Souvenir-Shop mit den Trachtentüchern... Ohne lange zu zögern griff ich nach dem goldfarbenen Seidentuch mit Uni-Stickerei zu 75Euro, ging zur Kasse und bezahlte... Am Auto stand ich dann doch etwas verwirrt...

"Sag mal Tigerchen, hat’s mich jetzt? Hab ich gerade wirklich ein zweites Tuch gekauft? Spinn‘ ich jetzt ganz? Hab ich nicht mit einem schon genug? Musste ich jetzt dieses Geld auch noch ausgeben? Aber es ist ein traumhaft schönes Tuch... es passt unheimlich gut zu den Farben meiner Klamotten... ich werde, wenn ich alt bin, damit sitzen und an die Zeiten auf La Palma zurück denken... Ich werde mich damit immer erinnern... Es ist etwas besonderes! Komm‘, wir fahren jetzt zur Pyramide... aber nur, wenn wir diesmal den Parkplatz auch nicht übersehen... und wenn der Weg zu weit wird, drehen wir einfach um, so wichtig ist mir gerade die Pyramide nicht..."

Gesagt – getan... Der Parkplatz war schnell erreicht, ein Blick über den kleinen Mirador mit Fotos war auch im Handumdrehen erledigt und schon wanderten wir gemütlich Richtung Pyramide... Der erste abzweigende Trampelpfad war nicht richtig... der landete im Nichts... Der zweite passte aber... Ihm folgten wir bis auf einige Meter vor der Pyramide... Leider wurde er immer schmaler und verwucherter. Lust auf eine "Entklett-Aktion" hatte ich absolut nicht und somit war mit einer Fotosession und einem Winken von Ferne der Aktion genüge getan und wir drehten um...
Im Auto angekommen übermannte mich der Gedanke über den Norden nach Westen zurück zu kehren... Eine Abschiedsrunde durch den Norden... das wäre es jetzt...
"Scheiß auf die Uhrzeit und die Pläne, findest Du nicht auch, Tigerchen...?"
Wir fuhren durch Santa Cruz über die Avenida Marìtima, hinauf in die Barrancos des rauhen Nordostens und somit in die Wolken... Es war unheimlich trüb und dunkel...

"Tigerchen, wenn das im Sommer schon so ist, wie erdrückend wird das dann erst im Winter sein? Hier möchte ich aber auch um nichts in der Welt begraben sein... Bei Sonne ist es hier traumhaft schön, aber hier gibt es die meisten Wolken auf der gesamten Insel – und somit die wenigsten Sonnenstunden... Nee, also bin ich froh, wenn wir hier nachher wieder raus sind... Vielleicht ist das Wetter auf der Nordseite und Nordwest-Seite besser... Vielleicht lohnt es sich dann, in La Zarza y la Zarcita auszusteigen und zu den Petroglyphen zu wandern... Was meinst Du?"
 

Barlovento lag heute mal etwas über den Wolken. Wir kamen aus Fissel-Regen und dicken Wolken in eine etwas aufgelockertere Stimmung; bogen ab in Richtung Mirador de la Tosca, um den größten Drago-Hain La Palmas von oben begutachten zu können ... und wurden fast "vom Winde verweht".
Aber der Ausblick in die Barrancos, die Wolken, die rauhe, steile Küste... wir nahmen tiefe Eindrücke mit uns. La Palma setzte sich wieder einmal tiefer ins Herz. Es ist schon eine ganz besondere Insel – eine der Inseln der Glückseligen, des ewigen Frühlings, DIE Insel der Mystik und der Geheimnisse...
 
La Zarza y la Zarcita lag in dichten, kühlen, nieseligen Wolken gefangen... Kein einladender Anblick für einen Spaziergang durch Lorbeerwald und Baumheide... So fuhren wir ohne Stopp weiter.
Viel zu schnell erreichten wir unseren Abzweig nach Garafia, den wir am Sonntag ausgetestet hatten, dann gelangten wir an die Gabelung zum Roque de los Muchachos und wenige Kilometer später fuhren wir entlang der Westküste Richtung El Time und Los Llanos.
 
In Los Llanos war noch Siesta als wir ankamen. Die alten Palmeros saßen gemütlich auf der Plaza de Espana und hielten ihren mittäglichen Schwatz. Leider war die Kirche geschlossen... ich konnte die "Schwarze Madonna" leider nicht noch einmal fotografieren. Dafür genoss ich die Ruhe auf der Plaza – setzte mich unter einen großen Lorbeerbaum auf eine Bank und beobachtete das gemütliche Treiben in dem kleinen Städtchen.

"Ach, Tigerchen, das tut so gut. Was meinst Du, fahren wir jetzt was Essen in Puerto de Tazacorte? Auf dem Weg schauen wir mal, ob wir in Tazacorte die Kirche finden und sie uns doch endlich mal ansehen... Komm‘, auf geht’s!"

Und wie es der Zufall so will... Wir bekamen einen Parkplatz in Tazacorte und konnten zur Plaza und der Kirche hinauf laufen. Die Plaza ist wunderschön gestaltet – mit Bouganvillea und bunten Kacheln. Eine Kombination, die mir noch nirgendwo anders so deutlich aufgefallen ist.
 
Zum Glück war auch die Kirche offen... Als ich hinein ging, war ich überwältigt. An das alte Kirchenschiff war ein Neubau seitlich angehängt worden. Die Kirchenfenster waren bunt und groß und ließen ein gelblich-rötliches Licht herein. Das bewirkte eine besondere Stimmung in der großen Kirche. Der Hauptaltar nahm die gesamte Wand der Kirche ein, war aus Kanarischer Kiefer mit wunderschönen Verziehrungen – und ausnahmsweise mal völlig ohne eine Madonnen-Statue. Dafür standen gleich 2 Madonnen im Seitenschiff-Neubau. Die eine trug ein prachtvolles Brokat-Kleid, die andere thronte in schlichtem Gewand über einem Grab, wie ich es von z.B. der Hlg. Elisabeth von Thüringen kenne... Die Wände waren mit Bildern der Christianisierung der Insel San Miguel de la Palma bemalt. Wunderschön... Ich war lange in der Kirche und verschoss Foto um Foto. Danach führte uns unser Weg nach Puerto Tazacorte. Dort fand ich trotz mehrfachem Kreiselns keinen Parkplatz, daher entschied ich mich auch am letzten Abend nochmal in meinem kleinen Kiosko in Puerto Naos zu essen... Dieses Mal meinen geliebten "Queso asado con mojo verde". Wir traten also die Heimfahrt an... vorbei an Tazacorte, hinauf nach La Laguna – einen kurzen Gruß zur Casa Carmen, in der wir nächstes Jahr wieder wohnen werden – und durch Todoque heim nach Puerto Naos.
 
Als wir die Treppen hinunter zum Kiosko kamen, rief eine der Bedienungen bereits von Weitem schon "Holà, que tal?! ... ...*brabbel, brabbel*... ... ...bebèr?" und begrüßte mich mit einem netten, leichten Tätscheln auf dem Oberarm. "Holà, ahhh... kam mit einem Lächeln zurück... Ich fühlte mich richtig "zu Hause" nach dieser netten Begrüßung... Es macht doch etwas aus, wenn man regelmäßig eine Anlaufstelle aufsucht... Um so schneller kommt man "ins Gespräch", sofern man bei meinem Spanisch von "Gespräch" sprechen kann... Aber es ist einfach ein beiderseitiges Verstehen "ohne Worte" – auf Basis des Herzens... so doof das jetzt klingt... aber mit dem Herz versteht man mehr, als Worte sagen können... bebèr... si, uno medio litro..." – "Sangria"
 
Zu Essen bestellte ich natürlich "Queso del paìs asado con mojo verde y papas locas". Papas locas waren auf der Speisekarte eine große Portion Pommes mit Ketchup und Majo... genau das Richtige, um nicht wieder zu sehr nach Knoblauch zu stinken...
Als ich meinen Queso asado bekam (gebratenen Ziegenkäse mit grünem Mojo), hätte ich darin baden gehen können, so lecker war er... Der Sangria schmeckte mir auch besonders gut und ich saß mindestens doppelt so lange in meinem kleinen Kiosko, wie an den Tagen vorher. Als ich bezahlt hatte und aufbrach, ging ich nochmal kurz am kleinen Eingang zur Küche vorbei, wo die beiden Bedienungen standen und sich unterhielten...

"Adios y hasta luego en uno ano!!!" ... "En uno ano???" ... "Si, esta mi final noche aqui. Manana yo..."

 – ich schlug mit den Armen als wollte ich fliegen... schließlich wusste ich nicht, wie dieses Wort auf spanisch heißt... Von den beiden Frauen kam so etwas wie "einen guten Flug" oder so ähnlich und meine nette Bedienung warf mir einen freundschaftlichen Handkuss zum Abschied zu...
So zogen wir von dannen und stürzten uns in das große Packen in der Wohnung. Tigerchen konnte in der Zwischenzeit natürlich auf’s Meer schauen und musste nicht beim Koffer beipacken...
 
Zurück auf dem Balkon warteten Tigerchen und ich natürlich wieder auf die eine, ultimative Welle für das Foto... Daraus wurden wieder hunderte von Brandungsbildern... Wie sollte es anders sein... Im Laufe der vergangenen Tage hatte ich die Nutzung der Einstellung "Nachtlandschaft" ausfindig gemacht und übte mich ständig in Nachtaufnahmen von Brandung, Meer und Bucht... Ich denke, ich kann ohne Bescheidenheit sagen, dass einige schöne Fotos dabei entstanden sind...

"Tigerchen, irgenwie haben wir aber noch gar kein Foto von uns als Urlaubs-Dream-Team. So geht das ja eigentlich nicht... Komm, ich hab’nen Selbstauslöser an der Kamera..."

Ich machte einige Fotos von uns, die auch weitgehend brauchbar sind. Dann war natürlich wieder das Meer, der Himmel, die Bucht und die Brandung dran.
In Gedanken durchlebte ich nochmal die vergangenen Tage, alles, was wir so unternommen und erlebt hatten – und vor allem die Gedanken und Gefühle, die so manches Mal aufkamen. Am vergangenen Sonntag blieb ich hängen...

"Verflixt, Tigerchen, was haben wir denn Sonntag gemacht... Wir waren doch nicht nur auf dem San Antonio... da war doch noch was... aber was?!

Ich habe nicht auf die Uhr geguckt, aber es dauerte schon eine ganze Zeit, bis ich dahinter kam, was eigentlich am Sonntag auf dem Programm war...
 

"Tigerchen, ich glaube, das ist jetzt der Punkt an dem ich mich zu einem Reisetagebuch / -Bericht durchringen muss. Wenn ich jetzt nicht alles aufschreibe, werden wir spätestens in einer Woche zuhause in Deutschland sitzen und nicht mehr wissen oder glauben, dass wir wirklich hier waren...
...und weißt Du noch was?... ...weißt Du, wie für mich die Insel schmeckt???... Sie schmeckt für mich wie ‚Queso asado con mojo verde‘... einmal gegessen und schon gekannt, bekannt, erkannt und trotzdem jedes Mal wieder anders... ... genau wie Queso asado... wo man ihn auch isst, er schmeckt immer etwas anders, obwohl der Grundgeschmack bleibt und man ihn kennt... der Mojo macht ihn spannend, weil er handgemacht ist und somit auch immer wieder etwas anders schmeckt und neue Geschmacksreize gibt... und manchmal ist der Käse weicher, manchmal kräftiger gebraten... aber immer gut... und eigentlich könnte man ihn täglich essen... Tigerchen, dass ist die Insel für mich... bekanntes unbekanntes Land... und immer wieder neu und anders und trotzdem wie ein bekanntes, geliebtes und beschützendes Zuhause... Hier möchte ich immer wieder herkommen können... Dazu gehört aber auch das Abschied nehmen... Denn ohne Abschied kann ich nicht wiederkommen...
Tigerchen, es ist schon kurz nach 10 und wir müssen morgen früh raus... Wir sollten nun doch schlafen gehen... Gute Nacht."
 

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Bitte beachten Sie: die Reisen wurden letztmals am 17.11.2017 - 18:18 Uhr aktualisiert. Alle Preise sind "ab"-Preise, d.h. je nach Verfügbarkeit kann sich der Preis kurzfristig ändern. Aktuelle Sucheinstellung: , früheste Abreise 17.11.17, späteste Rückreise 17.11.17
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