Sprachreise Izmir

Reisebericht von Academia, Reisezeitraum Oktober 2012 nicht bewertet report_rating
Verfasst zur Region: Türkei  > Türkei Dieser Reisebericht wurde 828 Mal angeschaut
 
Meine Erfahrung am Turkish Language Center in İzmir, Turkei
Website: www.turkishlanguagecenter.com

Vor ein paar Jahren bin ich in die Rente gegangen und, weil ich anscheinend ein Geschick für Sprachen habe (Deutscher, dessen Muttersprache englisch ist, mit Gesprächsfähigkeit in französisch und russisch), hatte ich mich entschlossen, etwas türkisch zu lernen. In Deutschland ist das gar nicht exotisch, wie in den USA oder aber auch England.

Ich hatte viereinhalb Jahre türkischen Unterricht gehabt, aber nach dieser Zeit war ich immer noch praktisch nicht imstande, in verständlichem Türkischen einfache Aussagen bzw. Bitten zu machen. Der Schwerpunkt meines Unterrichts hier in Frankfurt war die geschriebene Sprache und ich hatte einige meiner Mitstudenten gefragt, ob sie Erfahrung mit irgendwelcher Schule in der Türkei gehabt hätten. Eine sagte, sie wäre bei der Turkish Language Center in İzmir und da ein ganzes Stück gelernt habe. Also mit ihrem Ratschlag hatte ich Herrn Sentürk kontaktiert und hatte die notwendigen Vorbereitungen mit ihm gemacht. Alles ist ganz schnell und unbürokratisch gelaufen, meine Bitten waren sehr spezifisch und ganz maßgeschneidert für mich. Das war die erste Prüfung für die Schule, die sie sehr gut bestanden hat.

Ich wollte deren „one-on-one-Unterricht“ (ein Lehrer, ein Student), weil ich einerseits von anderen Studenten nicht überfordert werden wollte, die mehr Erfahrung hatten als ich (d.h. „klüger“), andererseits wollte ich von Studenten mit weniger Erfahrung nicht zum Schneckentempo gebremst werden. Ich hatte nicht damit gerechnet, diese Sache mehr als einmal zu machen, und ich wollte es richtig machen.

Es gab nicht das geringste Problem seitens der Schule mit meinen Bitten. Ich wollte zwei Wochen Unterricht haben, und an einem Anfangstag beginnen, der nicht auf derer Semester-Kalender stand; ich hatte mich bis zum letzten Drücker noch nicht entschlossen, ob ich mit einer Familie oder in einem Hotel leben wollte. Mit anderen Studenten wollte ich nicht; ich würde einfach derer Fehler und Schwächen lernen und sie die meinen. In einer Familie würde ich spätnachmittags und abends zusätzliche Übung/Unterricht bekommen, jedoch in einem Hotel würde ich nach einem langen Unterrichtstag meine Ruhe haben. Wat tun? Relativ kurz vor meiner Abfahrt hatte ich mich doch fürs Hotel entschieden, und Semiha (die Direktorin – man duzt in der Türkei leicht – spricht ausgezeichnet deutsch) buchte für mich ein Zimmer bloß 15 Gehminuten von der Schule entfernt. Und in Karşıyaka (dem Teil İzmirs, wo sich die Schule befindet) gibt es kaum Hotels irgendeiner Art.

Wenn man one-on-one-Unterricht wählt, sind die schlimmsten Tage der erste und der letzte. Am ersten Tag weiß man nicht, was auf einen wartet. Gizem, meine Lehrerin, sagte mir, ich solle über mich selbst reden, eine Gesprächsthema, das ich sehr gut kennen soll. Auf türkisch, selbstverständlich. Sie mußte mich und meinen derzeitigen Fähigkeiten gut einschätzen, um alles für mich zu organisieren. Sie war äußerst verständnisvoll und hilfreich. Sie spricht kein Deutsch (die meisten Studenten sind Deutsche), aber als es hart auf hart ging, zog sie ihr englisch-türkisches Wörterbuch heraus, während ich in meinem deutsch-türkischen Lexikon wühlte – wir hatten ein Wettrennen. Der Unterricht war exakt für mich und meine Bedürfnisse geschnitten, und Gizem machte es herrlich gut, präzise das zu vermitteln, was ich wollte und brauchte: Übung im Sprechen und im Verstehen des Gesprochenen. Sechs Stunden am Tag, zehn Tage insgesamt, mit einer Mittagspause fürs Essen mit anderen Studenten von den anderen Klassen (es gab zwei andere außer meiner, in der einen waren vier, in der anderen sechs Studenten). Am Ende eines jeden Tages wurde mir Hausaufgaben gegeben (was denn sonst?), also waren meine Spätnachmittage alle voll, jedoch abends hatte ich jeden Tag frei.

Leider hatte ich eine Woche vor Schulbeginn einen heftigen Motorradunfall gehabt. Vier gebrochene Rippen, geschmetterte Knien, man versteht schon. Ich machte ernsthafte Gedanken, im letzten Augenblick das ganze zu verlegen, aber hatte mich doch entschieden, es planmäßig zu machen. Nach dem ersten Tag begann mein Knie anzuschwellen, ich machte den ganzen Kurs mit einem Bein oben auf einem Stuhl. Als die Schmerzen mich vom Unterrich abzulenken begannen, hatte ich die Situation mit Semiha besprochen. Sie machte ein paar Sachen mit Gizem hinter den Kulissen – sie boten mir an, einen Tag Unterricht an dem Samstag zu machen, damit ich die ganzen zehn Tage bekäme und auch um einen Tag früher fliegen könnte. Ich habe angenommen.

Aber an dem Donnerstag fing mein Knie an, sehr schmerzhaft zu werden und an dem Freitag hat mich Semiha und ihr Mann zu einem türkischen Arzt und einem Krankenhaus gebracht, wo ich geröntgt wurde. Der Arzt gab mir Arzneimittel und einen Kniebund, was mir wahnsinnig guttat. Bis Sonntag konnte ich ein paar Stunden lang schmerzlos durch die Siqs (Marktplatz) in der İzmirer Altstadt wandern. Der Donnerstag danach war der letzte Kurstag für mich.

Ach ja: Der Letzte Tag: ich marschierte ins Zimmer und Gizem hatte drei Aussagen bzw. Fragen auf die Tafel geschrieben: „Warum bin ich aus den USA nach Deutschland ausgewandert?“ „Was ist der größe Erfolg meines Lebens?“ (Die dritte habe ich vergessen, aber sie war genauso tiefsinnig.) „Jetzt“ sagte sie auf türkisch, „hast Du eine halbe Stunde, um diese Themen zu besprechen.“ Auf türkisch, natürlich. Darum war ich halt da, nicht wahr? Tierisch schwer, aber ich war dankbar, weil das der einzige Weg ist, wenn man schnell lernen will.

Am nächsten Tag bin ich nach Frankfurt nach Hause geflogen. Meine Erfahrung mit der Turkish Language Center und dessen Personal war gänzlich positiv. Ohne derer Rücksicht und Extra-Bemühungen wäre es für mich eine Katastrophe (mit der Verletzung) gewesen, aber wegen derer Mühen (im Unterricht) konnte ich in meinen türkischen Sprachfähigkeiten einen Quantumsprung machen. Als ich wieder zu Hause war und das nächste Semester angefangen hatte, waren die anderen Studenten in Frankfurt wie weggepustet. Sie waren mit mir seit viereinhalb Jahren zusammen und wußten, wie schlecht ich sprach. (Sie auch.) Ich hatte meinen eigenen Mini-Fortschritt jeden Tag gesehen, aber sie hatten nur „davor“ und „danach“ beobachtet. Der beste der anderen Studenten sagte mir nach dem Unterricht „Hut ab, Erich. Toll gemacht!“ Aber ein Großteil des Lobes muß meiner Lehrerin Gizem zugesprochen werden, das muß ich betonen.

Werde ich jemals zurück? Sehr wohl. Jedwede Zweifel in der Sache aber wird ausschließlich an mir und meiner persönlichen Lage liegen. Aber ich würde jedem Student The Turkish Language Center empfehlen, der bereit ist zu arbeiten. (Denn wir wissen alle, wenn w i r nicht arbeiten, nützt der beste Lehrer der Welt nichts.) One-on-one-Unterricht ist gar nicht billig, aber jeder Cent des Aufwands war es mir wert.


-Erich B.
 

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